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Schweizer Franken: Mindestkurs zum Euro aufgegeben

Stand: 16.01.2015

Vreneli 20 Franken

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat am Donnerstag überraschend den bislang festgelegten Mindestkurs von 1,20 Franken je Euro aufgegeben. Die Meldung sorgte im Laufe des Tages für heftige Reaktionen an den Finanzmärkten. So gewann der Schweizer Franken gegenüber dem Euro zwischenzeitlich knapp ein Drittel an Wert, bevor sich der Kurs bei etwas über 1 Franken stabilisierte. Zudem rutschte die europäische Gemeinschaftswährung zeitweise bis auf unter 1,16 US-Dollar ab – der tiefste Stand seit November 2003.

Der deutsche Leitindex DAX verlor zuerst 300 Punkte, stieg dann aber sprungartig über die 10.000-Punkte-Marke und schloss den Handelstag mit einem Plus von 2,2 Prozent. Die Schweizer Börse erlebte dagegen einen schwarzen Tag. Der Schweizer Leitindex SMI ging mit einem Minus von 8,7 Prozent aus dem Handel; zum Handelsschluss notierten 19 Unternehmen im Minus.

 

Goldpreis profitiert von SNB-Entscheidung

Der Goldpreis konnte am Donnerstag von der Entscheidung der SNB profitieren.=== Der Preis für eine Feinunze stieg um 2,7 Prozent bis auf 1.264 US-Dollar und markierte damit den höchsten Stand seit September 2014. Auf Eurobasis lag der Preis mit 1.086 Euro so hoch wie zum letzten Mal im Mai 2013. Gegenüber dem Vortag belief sich der Gewinn auf 4 Prozent.

Nach Angaben von Händlern kam es infolge der SNB-Entscheidung zu einer erhöhten Goldnachfrage. Der Schritt habe vielen Anlegern vor Augen geführt, dass die extrem lockere Geldpolitik vieler Notenbanken anhalten dürfte. Ein weiterer Grund könnte auch das wiederkehrende Bedürfnis nach einem sicheren Hafen sein. Die Maßnahme der SNB kam für die Marktteilnehmer überraschend  und könnte durchaus einige Zweifel und Ängste ausgelöst haben.

 

Mindestkurs war Antwort auf Euro-Krise

Die SNB hatte den Euro-Mindestkurs von 1,20 Franken im Zuge der Euro-Krise im September 2011 festgelegt. Der Schritt war aus Sicht der Schweizer Währungshüter notwendig geworden, da viele Anleger vom Euro in den Franken geflüchtet waren. In der Folge hatte der Schweizer Franken gegenüber der europäischen Gemeinschaftswährung kontinuierlich aufgewertet. Für die Wirtschaft der Schweiz verteuerte ein starker Franken allerdings deren Exporte. Rund 55 Prozent der Schweizer Ausfuhren gehen in die Euro-Zone.

In den vergangenen dreieinhalb Jahren hatte die SNB den Mindestkurs mit Devisenkäufen, d. h. dem Kauf von Euro-Anleihen, verteidigt. Durch die Eingriffe am Devisenmarkt betragen die Währungsreserven der SNB mittlerweile 500 Milliarden Franken, 45 Prozent dieser Summe werden in Euro gehalten.

 

QE der EZB als Risikofaktor

Die Entscheidung der Schweizer Währungshüter könnte sich als Vorlauf für neue Maßnahmen der Europäischen Zentralbank (EZB) herausstellen. In der kommenden Woche wird erwartet, dass der EZB-Rat den Kauf von Euro-Staatsanleihen zu einem dreistelligen Milliardenbetrag beschließt. Dies würde den Kurs des Euros weiter drücken und den Schweizer Franken als stabile Währung und sicheren Hafen an Attraktivität gewinnen lassen. Die Kosten für die Verteidigung des Mindestkurses von 1,20 Franken wären für die SNB weiter gestiegen, ein Ende der Interventionen nicht absehbar gewesen.

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