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Jahresrückblick Goldpreis - Kapitel 2013

Stand: 18.12.2013

Anna Rosin - pixelio.deFoto: Anna Rosin - www.pixelo.de

Das goldglänzende Buch ist aufgeschlagen und erwartet den neuen Bericht. Die  zum Buche gehörende  Goldmünze strahlt ihren warmen, gelben Glanz und liegt noch genauso schwer und sicher in der Hand, wie letztes Jahr.

"Nun, was war uns das Jahr, wenn es heut soll enden?" sprach der Goldesel, Hüter des goldenen Buches. Fröhlich springt er dabei über die imaginäre, grüne Wiese, ausgehend von einem weiteren guten Jahr für Gold. Seit 13 Jahren wurde ihm kein bedeutender Jahresverlust mitgeteilt.  Warum sollte es diesmal anders sein? Doch der Goldmarkt ist zyklisch, wie jeder andere Markt auch. Bestimmt durch Angebot und Nachfrage, verhält er sich in seinen Stimmungen schwankend. Den marktwirtschaftlichen Ansatz unterbrechend, brüllte der Esel: "Schluss mit dem Geschwafel, zeig mir den Chart!"  Bitte:

 

Goldpreisentwicklung 2013

 















"Soll das ein Scherz sein? Das ist nicht gut für meine Verdauung." Leider nein, das ist die Goldpreisentwicklung 2013, beginnend bei einem Kurs von 1685,70 US-Dollar/ 1276,59 EUR und endend aktuell bei 1233,20 US-Dollar/ 895,10 EUR. Das bedeutet ca. 27 Prozent Verlust. Es ist dunkel im Raum, nur ein paar Kerzen brennen, dessen Licht die Goldmünze strahlend reflektiert. Der Goldesel, zunächst ganz ruhig, beginnt auf kuriose Art seine Gesichtszüge entgleiten zu lassen, begleitet von Schnappatmung.


"...Ist der I. Weltfrieden ausgebrochen....Ich bitte um Erklärung.....Was ist da passiert?"  Natürlich bestimmen mehrere ineinander greifende Faktoren den Goldpreis. Doch die Preiskurve in diesem so schlechten Jahr 2013, wurde maßgeblich von den Gold-ETFs so herablassend gezeichnet und zwar in Dimensionen, die es so bisher noch nicht gab. Zu Jahresbeginn verfügten Aktien der Gold-ETFs über einen Goldbestand von ca. 84 Millionen Feinunzen und jetzt sind davon noch weniger als 59 Millionen übrig. Mit diesen zum Teil massiven Verkäufen, die sich über das ganze Jahr hinweg zogen, wurden Unmengen an Gold freigesetzt und der Markt regelrecht damit überschwemmt. Laut den Berichten des World Gold Councils ist durch dieses Überangebot  von Gold, die weltweite Goldnachfrage um 12 Prozent gefallen im Vergleich zum Vorjahr. Das Ausmaß der ETF-Abflüsse wird noch deutlicher, wenn man berücksichtigt, dass die Gesamtnachfrage in diesem Jahr um 10 Prozent gestiegen wäre, wenn die ETF-Holdings ihre Bestände gehalten hätten. 


"Dann findet das Spiel also an der Börse statt, das erklärt dann auch die starken Preisgefälle Mitte April und Ende Juni. Ein Auslöser und alle verkaufen wie die Lemminge." Genau. Charttechnische Analysen, eine Wissenschaft für sich. Ab einem bestimmten Verkaufssignal, stoßen die ETF-Investoren ihre Aktien an der Börse ab, der Goldpreis fällt entsprechend, das führt zu weiteren Verkäufen und umgekehrt verhält es sich bei einem Kaufsignal.  Und damit kommen wir schon zur nächsten Ursache für den drastischen Rückgang des Goldpreises, nämlich die, wenn man sich fragt: "Wo ist das Geld hin gewandert?" Richtig, kluger Esel. "Lass die psychologische Betreuung ..." Die Goldaktionäre verschoben ihr Anlagekapital in den boomenden Aktienmarkt, der mehr Gewinn versprach.  Dieser verzeichnet immerhin eine 25 prozentige Steigerung seit Jahresbeginn. Nicht ganz unschuldig und zum dritten Faktor führend, ist die Politik. Diese hat mit Medienunterstützung alles getan, um Konjunkturoptimismus zu verbreiten. Vereinzelte Erfolgsmeldungen über US- Wirtschafts- und Arbeitsmarktdaten sollen suggerieren, die akute Krise sei vorbei, habe ihr Ende gefunden, expansiv unterstützt durch die Geldpolitik der US-Notenbank. "Hast du Alkohol?" Seit 5 Minuten nicht mehr. Diese scheinbare Verbesserung führt bei den Investoren zu einer positiven Erwartungshaltung und lässt die Absicherungsinvestition Gold zu einem Belastungsfaktor verkommen. Steigende Realzinsen und besser verzinste Anlagemodelle treiben die Opportunitätskosten für Gold in die Höhe und damit hat das Edelmetall verloren. Denn es geht ums Geld. Die Gold-ETFs werden nur gehalten, um mittelfristig und mehr noch  kurzfristig Geld zu verdienen. Es lässt sich durch die Beobachtung des Future-Handels auch feststellen, dass der Goldpreis in erster Linie von der Erwartungshaltung gegenüber der zukünftigen Entwicklung in Bezug auf Wirtschaft und Finanzpolitik getrieben wird. Fundamentale Echtzeitdaten, wie Goldkäufe der Zentralbanken oder Nachfragemengen aus China, beeinflussen den Goldpreis  erst im späteren Verlauf und dann auch nur moderat. Der Goldesel liegt am Boden, schläft er oder ist er ohnmächtig geworden? 


"...China...Indien...letztes Jahr habt ihr gesagt, die Nachfrage sei stetig steigend? Die Inder sind versessen auf Gold und China hatte großes vor, trotz schmaler Augen."  Dem ist auch so und du bist lustig. China wird dieses Jahr Indien sogar als größtes Nachfrageland ablösen. Weil: die indische Regierung erschwerte durch Einfuhrzölle den Goldimport, um die heimische Währung, den Rupie zu stärken, um das bestehende Handelsdefizit besser auszugleichen zu können. Das Gold verteuerte sich somit und die staatlichen Maßnahmen zeigten ab der 2. Jahreshälfte ihre Wirkung: die Goldnachfrage brach ein.  "Mir tut das Fell weh!" Aber nicht nur die geringere indische Nachfrage führte China an die Spitze der Goldkäufer. In diesem Jahr geht man davon aus, dass über 1200 Tonnen Gold von China nachgefragt worden sind, angetrieben durch den niedrigen Goldpreis. Und dieses Gold ist nicht aus Spekulationszwecken erworben worden. China und Indien haben ganz andere Kaufmotive als der Westen. Es geht um Werte, Schmuck, Vermögenssicherung, also langfristige Goldanlagen und im Falle Chinas eventuell sogar um eine teilweise Goldabdeckung der einheimischen Währung Renminbi, mit dem langfristigen Ziel, den schwächer werdenden US-Dollar als Leitwährung abzulösen. Für den Goldmarkt bedeutet diese Orientierung, dass das Gold dem Markt dauerhaft entzogen ist und nicht mehr für spekulative Anlagen zur Verfügung steht. Das ist ein erster positiver Aspekt. "Na deshalb fällt mir noch lange keine Goldmünze aus dem Ar...Hinterteil."  Ich arbeite dran. Jedenfalls die Angebotsüberschwemmung, ausgelöst durch die enormen Short-Positionen an der Börse, konnte nicht durch die physische Gesamtnachfrage aufgefangen werden, obwohl diese auch in diesem Jahr ansteigend war: ein Anstieg von 36 Prozent in den ersten neun Monaten im Vergleich zum Vorjahr.  


"Die Tragik ist erkennbar, aber auch deren Ende, doch ich bin kurz vor einem Kurswechsel in der Verdauung, muss wohl gleich brechen, ob diesen so abnormalen Jahres. Gib mir den Rest! Rubrik: Was sonst noch geschah!" Im Frühjahr ließ die US-Notenbank Fed verkünden, dass eventuell ein Rückzug aus der bislang expansiven Geldpolitik erfolgen wird. Man erwarte zunächst  noch eine Stabilisierung der US-Wirtschaft, die sich bereits im Status der Erholung befindet. Diese eine Erwartung, deren Einfluss auf die Investoren wir schon im vorangegangen Abschnitt erwähnten, schwebt nun schon das ganze Jahr als schützende Wolke am Anlagehimmel. Die Geldvermehrung wird aufhören, eine Inflation wird damit verhindert und die Wirtschaft wird wieder gesunden in einem natürlichen Marktumfeld.  Die Wolke warnt, verfärbt sich goldig am westlichen Abendhimmel, doch keiner sieht es. "Ja, jetzt komm mir noch mit Rilke" Du hast aber mit deiner ersten Frage damit angefangen, ein bisschen Kultur .... "Bist du irre, hier geht es um Geld, um sehr viel Geld, was Anleger und Händler verlieren und vor allem geht es um Gold, das genau solche Verluste verhindern soll, dafür arbeiten wir, also weiter." Ich wollte nur deinen Kreislauf wieder in Schwung bringen. Scheint gelungen. Der Termin für den Rückzug aus dem Anleiheprogramm seitens der Fed wird indes immer weiter verschoben, neueste Vermutungen sehen den Start im Frühjahr 2014. Bislang werden also die liquiditätsverwöhnte Wirtschaft und Börse weiter mit frischem Geld versorgt und es bilden sich zunehmend Blasen, siehe  Aktienmärkte, die bald zu platzen drohen.


"Mir platzt auch gleich was. Dieses Jahr ist zum heulen und kann man echt vergessen, ich brauche jetzt..." Ein kurzes Fazit und einen Ausblick, der hoffen lässt. "Ja, na endlich, bitte beruhige mich! Hast du was  zu rauchen?"  Seit 3 Minuten nicht mehr. 2013 war das Jahr der großen Gold-ETF-Abflüsse, sich widerspiegelnd in der Entwicklung des Goldkurses, der 27 Prozent dieses Jahr verliert. Das Investment verlagert sich auf Grund höherer Renditemöglichkeiten in den Aktienmarkt, der sich mit 25 Prozent Steigerung aufbläht. Die Flucht in Gold als krisensicheres Edelmetall, scheint nicht mehr notwendig, hinsichtlich positiver US-Wirtschaftsdaten und der Erwartung, dass die Fed ihre Geldproduktion demnächst einschränkt. Die physische Nachfrage nach Gold ist weiter gestiegen, vor allem in China, doch konnte das frei gewordene Angebot durch den Verkaufsdruck bei den Goldaktien nicht absorbiert werden. Doch der Goldmarkt ist zyklisch, Anfrage und Nachfrage werden sich wieder ausgleichen. Der Rückgang der ETF Goldbestände war in diesem Jahr so drastisch, die Korrektur belief sich auf 38 Prozent, dass man davon ausgehen kann, eine ähnliche Summe im nächsten Jahr nicht zu erreichen. Verbleibende Gold-Aktien befinden sich nunmehr in immer stärkeren Händen und werden wohl eher nicht veräußert werden. Auch wird der Aktienmarkt nicht erneut um 25 Prozent ansteigen. Ganz im Gegenteil. Dieser wird sich früher oder später einer massiven Korrektur stellen müssen und dann schlägt die Stunde für Gold. Schon jetzt verlangsamt sich der ETF-Verkauf, kommt teilweise sogar zum Stillstand. Den Impuls für einen steigenden Goldpreis 2014 werden wohl die spekulativen Finanzanlagen setzen. Doch haben auch einige den Goldmarkt schon verlassen und das Gold wanderte nach Osten, in starke und langfristig orientierte Hände. Dies wird sich auch im nächsten Jahr fortsetzen. China hat politisch ein ganz klares Ziel und die chinesischen Privathaushalte verzeichnen höhere Einkommen und mangels anderer Anlagealternativen, bleibt Gold ein beliebtes Investment. Bleibt zum Schluss noch die Fed. Ein knappes Jahr steht die Vorankündigung über einen Richtungswechsel in Sachen Geldpolitik im Raum, doch bisher......nichts. Auch die zukünftige Vorsitzende Yellen, die ab dem nächsten Jahr ihres Amtes waltet, steht für eine liquide Wirtschaft.

 

Wie sich alles entwickelt, wird sich zeigen, die Prognosen "Ja ia, das klingt ja ganz gut, aber..." überlassen wir anderen Experten und Analysten. Ach Goldesel, es ging jetzt 13 Jahre bergauf, da muss man auch mal mit einem solchem Jahr ......iih. "Sorry, das musste mal raus, mir war schon die ganze Zeit so schlecht....." Also dieses Jahr keine Goldmünze? "Nee!"  Schon gut, wir schließen jetzt das Buch. Kapitel abgeschlossen und auf geht es in ein neues goldiges Jahr.

 

Petra Dirscherl - pixelo.de

Foto: Petra Dirscherl - www.pixelo.de

    

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