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Inflation in Venezuela: Teuerung bei 720 Prozent

Stand: 07.07.2016

1 venezolanischer BolivarDie meisten Menschen hierzulande kennen die Hyperinflation von 1923 nur noch aus Büchern oder Dokumentationen. Auf ihrem Höhepunkt im November 1923 entsprach ein US-Dollar 4,2 Billionen Mark, im Dezember stieg der Goldpreis auf bis zu 86,81 Billionen Mark je Feinunze.

Bis heute ist die Angst der Deutschen vor steigender Inflation allgegenwärtig – nicht zu Unrecht, wie das aktuelle Beispiel Venezuela zeigt. Wie Spiegel Online berichtet, hat der südamerikanische Staat eine der höchsten Inflationsraten der Welt. Der Internationale Währungsfonds (IWF) prognostiziert in diesem Jahr eine Teuerung von 720 Prozent.

 

Drei verschiedene Wechselkurse für die eigene Währung

Laut Spiegel Online gibt es für den Bolivar, die Währung Venezuelas, mittlerweile drei verschiedene Wechselkurse. Zum offiziellen Devisenkurs von 10:1 können Unternehmen begrenzte Mengen US-Dollar für den Import wichtiger Güter tauschen. Für alle übrigen Transaktionen gilt ein Kurs von 620:1, der Parallelmarktkurs liegt bei 1.000:1.

Auf dem durch die Mangelwirtschaft blühenden Schwarzmarkt führt dies zu kuriosen Preisunterschieden: Derzeit kostet ein Kilogramm Zucker 938,20 Bolivares. Laut offiziellem Devisenkurs sind das 94 US-Dollar, wer auf dem Parallelmarkt tauscht, erhält das Kilo Zucker für nur 94 Cent.

 

Staatlicher Mindestlohn reicht nicht mehr aus

Zwei Drittel der Venezolaner müssen vom staatlichen Mindestlohn in Höhe von 15.000 Bolivares leben. Das private Dokumentationszentrum CENDAS hat errechnet, dass es derzeit 15 Mindestlöhne braucht, um eine fünfköpfige Familie zu ernähren.

Reiche Venezolaner leben dagegen selbst in der Mangelwirtschaft gut. Eine Tankfüllung für einen SUV kostet weniger als eine Flasche Wasser; Strom und Wasser sind staatlich reguliert und für ein paar US-Dollar im Monat zu haben.

 

Venezuela muss seine Goldreserven opfern

Doch wer in den Supermarkt geht, um Lebensmittel einzukaufen, muss sich in lange Schlangen einreihen. Venezuela erzielt 97 Prozent seiner Deviseneinnahmen mit dem Verkauf von Erdöl und leidet deshalb besonders unter dem Ölpreisverfall der vergangenen Monate. Weil das Land fast alles importieren muss, reichen die Einnahmen nicht mehr aus – darum werden auch Nahrungsmittelimporte reduziert.

In seiner Not hat Venezuela Teile seiner Goldreserven verpfändet oder ganz abgestoßen. Im April 2015 wurde ein sogenannter Gold-Swap bekannt, den das Land mit der US-amerikanischen Citibank vereinbart hatte. Demnach erhielt Venezuela eine Milliarde US-Dollar und hinterlegte im Gegenzug 43 Tonnen Gold als Sicherheit.  Im Dezember 2015 tätigten die Venezolaner ein ähnliches Geschäft mit der Deutschen Bank, dessen Volumen jedoch geheim blieb.

Darüber hinaus erhielt die Schweiz zuletzt größere Goldlieferungen aus Venezuela. Allein im Januar dieses Jahres waren es 35,8 Tonnen im Wert von 1,3 Milliarden Schweizer Franken (aktuell ca. 1,2 Milliarden Euro).

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