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Indische Regierung will Tempelgold nutzbar machen

Stand: 13.04.2015

Siddhivinayak Tempel in MumbaiDie indische Regierung unter Premierminister Narendra Modi geht im Kampf gegen das hohe Handelsbilanzdefizit des Landes neue Wege. Im Mai dieses Jahres wollen die Verantwortlichen einen Plan vorlegen, um sogenanntes Tempelgold wieder dem indischen Goldmarkt zuzuführen. Dies berichtete die Nachrichtenagentur Reuters am vergangenen Freitag

In den zum Teil jahrhundertealten Hindutempeln lagern riesige Mengen an Gold; es handelt sich dabei um Opfergaben und Spenden von Gläubigen. Nach Schätzungen von Experten horten indische Tempel insgesamt rund 3.000 Tonnen Gold in Form von Schmuck, Barren oder Münzen. Zum Vergleich: Die Goldreserven der Bundesbank belaufen sich derzeit auf 3.384,2 Tonnen.

 

Plan sieht Einlagerung bei Banken vor

Derzeit lagert der Großteil des Tempelgoldes unter hohen Sicherheitsvorkehrungen in den Anlagen selbst. Die indische Regierung will nun die Tempelgemeinden dazu ermutigen,=== das Gold gegen Zinszahlungen bei Banken zu deponieren. Der Plan sieht vor, das eingelieferte Edelmetall einzuschmelzen und an indische Juweliere zu verleihen.

Auf diese Weise könnte die hohe Goldnachfrage bedient werden – bei gleichzeitiger Verringerung der Goldimporte Indiens. Diese machten in den zwölf Monaten bis März 2013 rund 28 Prozent des indischen Außenhandelsdefizits aus. Die jährlichen Goldimporte von 800 bis 1.000 Tonnen könnten um ein Viertel reduziert werden, sollten die Tempel sich an dem Programm beteiligen, schätzen Regierungsvertreter und Industrieexperten.

 

Ähnlicher Plan schon einmal gescheitert

Doch der Erfolg der geplanten Maßnahme ist keineswegs sicher. Bereits im Jahr 1999 erwies sich ein ähnliches Vorhaben zur Monetisierung von Gold als ineffektiv. Damals hatten die Tempelgemeinschaften die angebotenen Zinssätze als zu niedrig abgelehnt. Im Rahmen des ersten Programms bot Indiens Top-Kreditgeber, die State Bank of India, 0,75 bis 1 Prozent Zinsen auf eingelagertes Gold. Lediglich 15 Tonnen landeten in den Tresoren von Banken.

Offizielle Vertreter indischer Tempelanlagen erwarten im Rahmen des neuen Programms deutlich höhere Zinssätze. Einzelne Stimmen fordern mindestens 5 Prozent Zinsen auf eingeliefertes  Tempelgold. Dies wird die Entscheidung über eine Teilnahme der Tempel wohl am meisten beeinflussen. Die Regierung will Details zu dem Programm erst bei dessen Start preisgeben.

 

Gläubige lehnen Vorhaben ab

Grundsätzlich zeigen sich die Tempel bereit, das Vorhaben zu unterstützen. So erklärte ein Vertreter des Siddhivinayak Tempels in Mumbai, man freue sich, das Gold bei verstaatlichen Banken zu deponieren, sofern das Programm vorteilhaft und sicher sei und gute Zinsen bringe.

Die gläubigen Hindus sehen das Goldprogramm hingegen sehr viel kritischer. So sagte ein 52-Jähriger Goldhändler aus Mumbai, es sei eine Sünde für die Tempel, Zinsen auf Gold zu erwirtschaften, das als Opfergabe für die Götter gedacht sei. Der Mann hatte zusammen mit seinem Vater über viele Jahre hinweg rund 200 Kilogramm Gold an verschiedene Tempel gespendet.

 

Bildquelle: Darwininan via Wikimedia Commons

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