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Goldindustrie in Südafrika unter Druck

Stand: 16.06.2015

Vor den anstehenden Tarifverhandlungen in der südafrikanischen Goldindustrie hat sich eine brisante Gemengelage gebildet. Die Goldförderer in Südafrika sehen sich mit hohen Forderungen gleich mehrerer Bergbaugewerkschaften konfrontiert. Dies berichtet unter anderen die Financial Times.

Zu den fünf Arbeitnehmerorganisationen der Branche gehört auch die Association of Mineworkers and Construction Union (AMCU), die im vergangenen Jahr einen fünfmonatigen Arbeitskampf in der südafrikanischen Platinminenindustrie geführt hatte.

 

Gewerkschaften mit unterschiedlichen Forderungen

Die als radikal geltende Gewerkschaft geht auch diesmal mit hohen Forderungen in die turnusmäßigen Verhandlungen mit den Goldproduzenten. AMCU verlangt für ihre Mitglieder auf Berufseinsteigerniveau eine monatliche Bezahlung von 12.500 Südafrikanischen Rand (ca. 1.005 US-Dollar). Das ist mehr als das Doppelte des bisherigen Monatsgehalts eines Bergarbeiters=== auf dieser Lohnstufe.

Die zweite große Gewerkschaft, die National Union of Mineworkers (NUM), verlangt dagegen Lohnsteigerungen von bis zu 80 Prozent. Laut dem Portal Mineweb sollen Arbeiter über Tage auf der niedrigsten Lohnstufe 9.500 Rand (ca. 764 US-Dollar) verdienen, während ihre Kollegen unter Tage 10.500 Rand (ca. 844 US-Dollar) monatlich erhalten sollen. Die Gewerkschaft fordert zudem verschiedene Sozialleistungen.

 

Gewerkschaften kämpfen um Mitglieder

Auch die übrigen zwei Gewerkschaften, UASA und Solidarity, gehen mit jeweils eigenen Forderungen in die Tarifverhandlungen. Allerdings sorgt weniger die Zahl der Arbeitnehmervertreter, sondern mehr die Rivalität der beiden führenden Gewerkschaften für Zündstoff.

Während UASA und Solidarity lediglich sieben bzw. zwei Prozent der Arbeitnehmer in der Branche vertreten, wetteifern AMCU und NUM seit Jahren um die Vormachtstellung. Bis 2012 war NUM die dominierende Gewerkschaft im südafrikanischen Bergbau.

 

Heute repräsentiert sie noch 54 Prozent der Arbeitnehmer in der Goldindustrie, während AMCU in diesem Sektor einen Repräsentationsgrad von 29 Prozent erreicht hat. Letztere Organisation ist in der Platinminenindustrie Südafrikas mittlerweile die dominierende Gewerkschaft.

 

AMCU droht mit Streik

Diese Rivalität könnte die Verhandlungen weiter erschweren. Im Rahmen der letzten Runde im Jahr 2013 einigten sich die Goldproduzenten mit der Gewerkschaft NUM auf einen Tarifabschluss. Dieser wurde im Anschluss auf die Mitglieder der AMCU ausgeweitet. Diese Praxis ist durch das südafrikanische Arbeitsrecht gedeckt.

Die AMCU droht jedoch bereits mit Streik, sollte sie diesmal wieder keinen eigenen Tarifvertrag erhalten. Sollten NUM und die Bergbaukammer ihren Deal auf AMCU ausdehnen, werde man sich hinsetzen, ob es legal sei oder nicht. Man werde streiken, erklärte der Vorsitzende Joseph Mathunjwa auf einer Veranstaltung in der Nähe von Johannesburg.

 

Goldindustrie steht vor großen Herausforderungen

Für die Goldproduzenten in Südafrika gestaltet sich die Ausgangslage somit schwierig. Zu den verhandelnden Unternehmen gehören AngloGold Ashanti, Harmony, Sibanye, Evander Gold Mine und Village Reef. Diese verhandeln zentral unter dem Zusammenschluss der „Chamber of Mines“.

Insgesamt beschäftigt der südafrikanische Goldsektor 119.000 Mitarbeiter. In der Regel betragen die Lohnkosten mehr als die Hälfte der Produktionskosten eines Unternehmens. In der Vergangenheit waren die Lohnkosten trotz geschrumpfter Belegschaften weiter gestiegen. Hinzu kommen die Strompreise, die in den vergangenen fünf Jahren um mehr als 200 Prozent gestiegen sind. Der Goldpreis hat seit seiner Hochphase im Jahr 2011 hingegen rund 40 Prozent verloren.

 

Südafrika verliert an Bedeutung

Bereits seit Jahren kämpft Südafrika mit dem Rückgang seiner Goldproduktion. Mittlerweile müssen die Bergarbeiter rund 4.000 Meter tief graben, um die Goldvorkommen abzubauen. Dabei war das Land am Kap der guten Hoffnung während des 20. Jahrhunderts der größte Goldproduzent der Welt.

Schätzungen zufolge wurden in Südafrika bis heute rund 40.000 Tonnen Gold abgebaut. Allein im Jahr 1970 förderte das Land 1.000 Tonnen des gelben Edelmetalls. Seit 1980 ist die Goldproduktion aber um ca. 85 Prozent zurückgegangen.

Im Jahr 2007 löste Australien den bis dahin größten Goldproduzenten Südafrika ab. Die Australier förderten in dem Jahr 280 Tonnen Gold, während die südafrikanischen Minen nur noch einen Ausstoß von 270 Tonnen erreichten. 2014 lag die Goldproduktion Südafrikas bei rund 150 Tonnen. Das Land war rangierte damit nur noch auf Platz sechs der weltweit größten Goldförderländer.

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