www.goldpreis.de

Goldbarren-Betrug: Prozess beginnt am 9. Juni

Stand: 09.06.2016

Gestapelte GoldbarrenAm heutigen Donnerstag beginnt der Prozess gegen sechs mutmaßliche Goldbetrüger vor dem Berliner Landgericht. Die Staatsanwaltschaft wirft den Angeklagten gewerbs- und bandenmäßigen Betrug vor. Sie hatten über die „Berliner Wirtschafts- und Finanzstiftung“ (BWF) mehr als 55 Millionen Euro von rund 6.500 Kleinanlegern eingesammelt.

Diese glaubten, ihr Geld werde in physisches Gold investiert, das kostenfrei in den Tresoren der Stiftung lagere. Die BWF warb mit einem garantierten Rückkaufpreis nach einer vertraglich festgelegten Laufzeit und einer Rendite von bis zu 180 Prozent. Es gebe kein Aufgeld, keine Abschlussgebühren und man könne sich das Gold jederzeit ausliefern lassen, so das Versprechen der vermeintlichen Goldinvestoren.

 

Anonyme Anzeige deckt Betrug auf

Die BWF gab an,=== die versprochene Rendite durch den Handel mit Goldschmieden und Juwelieren zu erwirtschaften. Diese würden nicht schnell genug an Edelmetall für ihren Schmuck kommen und seien deshalb bereit, mehr als den üblichen Goldpreis zu bezahlen.

Den Ausschlag für das Eingreifen der Behörden gab eine anonyme Anzeige gegen das BWF-Netzwerk. Zunächst ermittelte das Bundesamt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) wegen des Verdachts auf ein unerlaubtes Einlagengeschäft. Erst bei einer Großrazzia im Februar vergangenen Jahres deckte die Berliner Polizei den Anlagebetrug auf.

 

Goldbarren-Dummys aus China

Die Beamten durchsuchten 19 Orte in Berlin und Köln, darunter den Hauptsitz der BWF-Stiftung, eine Villa in Zehlendorf. In den dortigen Tresoren stellten sie die Goldbarren sicher, von denen sich der Großteil schnell als gefälscht entpuppte. Eigentlich hätten in dem Tresor vier Tonnen Gold im Wert von knapp 120 Millionen Euro lagern sollen. Nur 324 Kilogramm konnten als echt identifiziert werden – Wert: ca. 11 Millionen Euro.

In den beschlagnahmten Unterlagen fanden die Ermittler wenige Wochen nach der Razzia eine Rechnung über 309.000 Euro. Ausgestellt hatte diese eine Firma im Schwarzwald, die in China Goldbarren-Dummys herstellen ließ. Im Rechnungstext wurden Worte wie „Dummy“, „Zink“ oder „zu Werbezwecken“ verändert. Die Rechnung wurde unter Betriebskosten abgerechnet, sie sollte anscheinend von der Steuer abgesetzt werden.

 

Rechtsanwalt und Wirtschaftsprüfer unter den Angeklagten

Neben dem Verstoß gegen das Kreditwesengesetz müssen sich die sechs Verantwortlichen der BWF auch wegen mutmaßlichen Betrugs vor dem Landgericht verantworten. Angeklagt sind der Gründer der BWF, Gerald S., und seine Frau Marion. Sie war für die Buchführung und Geldflüsse verantwortlich.

Mitangeklagt sind außerdem der Erste Vorstand Hans-Detlef B. und ein weiterer Vorstand, ein Kaufmann mit Sitz in einer Kölner Anwaltskanzlei. Er sollte den Anlegern Seriosität vermitteln. Zudem hat die Staatsanwaltschaft den Rechtsanwalt Thomas S. sowie den Wirtschaftsprüfer Norbert W. angeklagt. Durch ihre Tätigkeiten hätten sie Kraft ihrer Autorität suggeriert, dass bei der BWF alles mit rechten Dingen zugehe.

Bis in den Januar 2017 hat das Berliner Landgericht 52 Verhandlungstage angesetzt. Werden die Angeklagten schuldig gesprochen, können Geschädigte trotzdem nicht automatisch Schadensersatz geltend machen. Hierzu müssen sie den Weg über die Zivilgerichte gehen.

Goldpreis Heute

1.059,75 EUR
-2,39 EUR
-0,23 %
1.253,84 USD
-1,88 USD
-0,15 %

Goldpreis Rechner