www.goldpreis.de

Die Gold-Silber-Ratio – was Sie wissen sollten

Stand: 16.03.2017

Seit jeher verkörpern Edelmetalle einen Wert, der sich grob am verfügbaren Aufkommen und der Nachfrage am Markt orientiert. Ein anderer Ansatz ist die Beschreibung der Verhältnisse im Wert zueinander. Dieses Verhältnis ist die sogenannte Gold-Silber-Ratio. Errechnet wird sie, indem der aktuelle Goldpreis pro Feinunze durch den Silberpreis pro Feinunze geteilt wird. Das Ergebnis ist ein Wert im zweistelligen Bereich. Doch was sagt dieser Wert aus und wie nutzt man diesen für sich? Diese und weitere Fragen werden in den folgenden Absätzen behandelt.

Die historische Entwicklung der Gold-Silber-Ratio

Die Gold-Silber-Ratio beschreibt, wie viel eine Feinunze Gold im Verhältnis zu einer Feinunze Silber wert ist. Ausgedrückt wird sie in einem Verhältnis, beispielsweise 1:20, oder einer fixen Zahl, in diesem Fall 20. In diesem Beispiel würde man gemäß des Verhältnisses eine Feinunze Gold für 20 Feinunzen Silber erhalten – und umgekehrt. Seit dem Jahr 1700 lag die Gold-Silber-Ratio im Regelfall zwischen 1:10 und 1:100. Für lange Zeit lag der Wert im Bereich zwischen 1:10 und 1:20.

Seit dem späten 19. Jahrhundert hat sich dieses Verhältnis zuungunsten des Edelmetalls Silber verändert. Das lag vor allem daran, dass Gold und Silber immer weniger für den Zahlungsverkehr benötigt wurden und daher eher als Rohstoffe anzusehen waren. Im Jahr 1965 lag der Wert bei 27,22. Nach Schwankungen zugunsten des Silbers erreichte die Gold-Silber-Ratio im Jahr 1974 einen Wert von 41,72.

Die Gebrüder Hunt nahmen dies Mitte der 1970er Jahre zum Anlass, um im Bereich der Silberspekulationen tätig zu werden. Mit anderen vermögenden Geschäftsleuten kauften sie Unmengen an Silber und Silberkontrakten auf, um diesen Markt zu beherrschen. Diese Spekulationen und die Unsicherheit der Finanzmärkte führten dazu, dass der Silberpreis im Jahr 1979 auf 32,20 US-Dollar kletterte. Zum Vergleich: Im Jahr 1974 lag dieser noch bei 6,76 US-Dollar. Im Jahr 1980 platzte die Spekulationsblase schließlich und der Silberpreis sank rapide und erholte sich in den folgenden Jahren kaum. Die ursprünglichen Milliardäre Hunt mussten Konkurs anmelden. Seither pendelte die Gold-Silber-Ratio etwa zwischen 38 und 93. Aktuell (Stand 28.02.2017) beträgt der Goldpreis 1.248,38 US-Dollar, der Silberpreis 18,31 US-Dollar. Daraus ergibt sich eine Gold-Silber-Ratio von 68,18.

Die Diskussion über die Aussagekraft der Gold-Silber-Ratio

Nach der Ermittlung der Gold-Silber-Ratio stellt sich die Frage, wie dieser Wert einzuschätzen ist. Dazu gibt es eine intensiv geführte Diskussion, die den Stellenwert des Indikators betrifft. Prinzipiell sagt der Wert zunächst aus, wie Gold im Verhältnis zu Silber gewichtet ist. Ist der Wert niedrig, steigt der relative Wert von Silber. Ist der Wert hoch, wird Gold im Verhältnis stärker bewertet.

Das Problem dabei: Eine niedrige Gold-Silber-Ratio muss nicht darauf zurückzuführen sein, dass der Silberpreis steigt. Es kann genauso der Fall sein, dass der Goldpreis schlicht fällt. Im Jahr 2010 beispielsweise lag die Gold-Silber-Ratio bei 46,04 bei einem Silberpreis von 30,63 US-Dollar. Im Jahr 2012 lag der Silberpreis mit 29,95 US-Dollar nur unwesentlich schlechter, die Gold-Silber-Ratio jedoch bei 55,56. Die Erklärung: Der Goldpreis ist merklich angestiegen, während Silber einfach nur konstant war.

Das Problem von Angebot und Nachfrage

Die Erwartungshaltung, dass es eine „faire“ Gold-Silber-Ratio gäbe, ist unrealistisch. Eine Gold-Silber-Ratio zwischen 10 und 20 – wo sie im historischen Mittel auch begründet lag – würde zwar tendenziell eher dem Rohstoffvorkommen entsprechen, aber ist nicht zu erwarten. Das Problem dabei ist, dass Angebot und Nachfrage für den Preis eine entscheidende Rolle spielen, nicht das Aufkommen selbst. Gerade aufgrund des sehr hohen Goldpreises lohnt es sich, mehr Gold zu fördern, wenn sich die Nachfrage erhöht. Bei Silber ist das jedoch anders, da der Preis deutlich niedriger ist und es sich nur um ein Nebenprodukt der Förderung handelt. Steigt hier die Nachfrage, wird nicht automatisch mehr Silber gefördert. Stattdessen schlägt der Preis nach oben aus, da sich bei gleichbleibendem Angebot die Nachfrage erhöht hat. Das ist auch der Grund, warum Silber traditionell größeren Preisschwankungen unterliegt.

Entsprechend lässt sich die Gold-Silber-Ratio nur bedingt als Indikator heranziehen. Ungefähre Wendepunkte des Verhältnisses können durchaus beobachtet werden. Diese liegen in den letzten Jahren ungefähr bei 40 und 80. Allerdings sagt das noch längst nichts Eindeutiges über die künftige Entwicklung der Gold- und Silberpreise selbst aus.

Eine Prognose für die Gold-Silber-Ratio

Die Gold-Silber-Ratio hat tendenziell das langfristige Potenzial, sich wieder stärker in Richtung Silber zu verschieben. Der Grund dafür sind die unterschiedlichen Mechanismen der Verarbeitung und Erhaltung. Gerade im Rahmen des industriellen Bedarfs wird Silber verarbeitet und abschließend entsorgt. Niemand macht sich die Mühe, beispielsweise aus einem kaputten Spiegel die eventuell enthaltene Silberbeschichtung zu extrahieren. Deshalb ist Silber als Verbrauchsmaterial zu sehen, während niemand auf die Idee käme, ein einziges Gramm Gold zu entsorgen.

Entsprechend steigt die vorhandene Goldmenge, die sich im Besitz von Anlegern, Banken et cetera befindet, Jahr für Jahr, während das Silberaufkommen verbraucht wird. Langfristig kann das dazu führen, dass das Angebot an Silber der relativ unflexiblen Nachfrage nicht mehr gewachsen ist. Die Folge kann eine Preiserhöhung von Silber und damit eine Verschiebung der Gold-Silber-Ratio sein. Allerdings darf man nicht den Fehler machen, auf historische Werte zurückzublicken oder eine im Verhältnis zum Vorkommen „faire“ Gold-Silber-Ratio zu erwarten. Die Mechanismen, die in diesem Prozess greifen, richten sich schlicht nach völlig anderen Faktoren.

Goldpreis Heute

1.076,79 EUR
+3,14 EUR
+0,29 %
1.258,67 USD
-2,80 USD
-0,22 %

Goldpreis Rechner