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DEG-Preis 2014: 3 Fragen an David Reymann

Stand: 21.11.2014

DEG-Preisträger mit David Reymann

Diskussionen um eine Zinswende in den USA, ein vermeintlich starker US-Dollar und die von EZB-Chef Mario Draghi angekündigten Maßnahmen zur Stützung der Konjunktur im Euroraum; die internationale Edelmetall- & Rohstoffmesse bewegte sich in diesem Jahr in einem schwierigen Umfeld. Angesichts des aktuellen Preisverfalls bei Edelmetallen und den zeitweisen Rekordständen der Aktienindizes DAX und Dow Jones scheint es für die Finanzmärkte nur in eine Richtung zu gehen – nach oben.

 

Dass diese Entwicklungen jedoch trügerisch sein können, darauf verwies David Reymann, Vorsitzender der Deutschen Edelmetall-Gesellschaft e. V. (DEG), im Rahmen der Münchner Messe. „Gold wie auch Silber bilden in ihrer aktuellen Bewertung eine anscheinend behobene Schuldenkrise=== und Stabilisierung des Finanzsystems ab. Doch wäre diese Sichtweise schlicht töricht oder naiv. Das Spiel läuft allein wegen der Bereitschaft einer Clique opportunistischer Entscheider weiterhin unbeirrt. Geltende Regeln werden in sich verkürzenden Abständen durch Umstellung oder Bruch wieder und wieder über den Haufen geworfen“, erklärte David Reymann in seiner Laudatio bei der Verleihung des DEG-Preises.

Die Auszeichnung der DEG wird für besondere Verdienste in der unabhängigen Aufklärungsarbeit über das Geldwesen allgemein sowie über Edelmetalle als werthaltigem und natürlichem Geld im Besonderen, vergeben. In diesem Jahr erhielten Frank Hoffmann und Jan Kneist den DEG-Preis und die dazugehörige 20 Feinunzen schwere Skulptur aus reinem Silber. Als Organisatoren der zehnten Edelmetallmesse und Pioniere der Goldseiten haben sich Hoffmann und Kneist seit Jahren um das Kernanliegen des Preises verdient gemacht.

 

Im Interview erläutert DEG-Vorsitzender David Reymann Einzelheiten zu den Preisträgern, kommentiert die Entwicklung des Edelmetallmarktes in den vergangenen Jahren und nimmt Stellung zu den Gefahren einer lockeren Geldpolitik.  

 

1. Herr Reymann, mit dem Preis der DEG wurden diesmal zwei Akteure gewürdigt, die seit Jahren die Berichterstattung zur physischen Edelmetallanlage in Deutschland prägen. Gab es Schwerpunkte oder Meilensteine in der Arbeit der beiden Preisträger, die Sie besonders honoriert haben? Welche Auszeichnungskriterien waren Ihnen in diesem Jahr besonders wichtig?

Im Jahr 1999 wussten noch wenige Menschen von legalem Falschgeld. Selbst Finanzleute dachten kaum über die Möglichkeit einer bedrohlichen Entwicklung und krisenhaften Zuspitzung im Finanzsystem nach. Ein Verdienst von Frank Hoffmann liegt in der Gründung einer Informationsplattform zur Selbsthilfe aus diesem damaligen Dilemma. Im Nachgang sind bekanntlich einige zum Teil sehr erfreuliche Informationsportale zum Edelmetallthema wie bspw. Preisvergleichsseiten entstanden

Hoffmann und Kneist verstanden mit der Gründung der Edelmetall- und Rohstoffmesse, die heuer zum 10. Mal stattfand, erneut einen Akzent zu setzen. Sie holten die internationale Minenbranche nach Deutschland. Zugleich schufen die Preisträger mit der Edelmetallmesse ein Forum zum Austausch für den nationalen Edelmetallhandel. Schließlich ist diese Messe durch das traditionell anspruchsvolle Vortragsprogramm sowohl für Referenten wie auch Besucher eine ausgezeichnete Entwicklungsmöglichkeit und damit gut für den Edelmetallmarkt insgesamt.

 

2. Die Edelmetall- & Rohstoffmesse in München findet seit 2005 statt, die Deutsche Edelmetall-Gesellschaft wurde 2006 gegründet. Inwieweit hat sich seitdem die öffentliche Diskussion zum Thema physische Edelmetallanlage gewandelt? Nehmen Anleger und Sparer Edelmetalle heute anders wahr als noch vor knapp zehn Jahren?

Wie in anderen Themengebieten auch, gibt es gelegentliche Lernresistenzen. Auch gibt es Lager, die gelenkt oder eigenständig Opposition ergreifen, das ist wohl immer so. Es dürfte allerdings nach den Ereignissen um den Untergang von Lehman Brothers, verschleppte Griechenlandpleite oder die Ereignisse um Zypern sehr deutlich geworden sein, wohin die Reise geht. Ich gehe davon aus, dass sich viel mehr Menschen aktiv für Edelmetall in physischer Form entschieden haben und dabei auf Diversifikation statt Spekulation setzten.

Teilweise ist bereits zu beobachten, dass frühere Gegner des Edelmetalls die Vorzüge von Gold und Silber in finanzieller Hinsicht erkannt haben. Leider geschieht eine offene Läuterung bei vielen Fachleuten auch heute noch erst mit dem Renteneintritt. Es fehlt der Mut, dies im aktiven Arbeitsumfeld zu tun. Vielleicht ist es treffender, Macht und hohe Dotierung als Schmerzensgeld für Reden und Handeln wider besseren Wissens zu bezeichnen.

 

3. Deutschland gilt allgemein als Land der Sparer. Bausparverträge und Lebensversicherungen sind hierzulande eher die Regel als die Ausnahme. Diese „Sparkultur“ wird aktuell aber von der lockeren Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) konterkariert. Welche Gefahren gehen Ihrer Meinung nach von den EZB-Maßnahmen für Sparer und Anleger aus? Und welche Rolle können Gold und Silber bei der Lösung dieses Dilemmas spielen?

Die Zinsen sind nur deswegen so niedrig, weil die Party mit unserem legalen Falschgeld bei höheren Zinsen schneller zu Ende wäre. Wir gewinnen also Zeit und können uns dieser gewonnenen Zeit freuen. Zugleich sollten wir sie sinnvoll nutzen und logisch wie konsequent handeln. Wer jetzt noch überhaupt keine Edelmetalle physisch hat, der sollte sich fragen warum? Danach kann man sich dann weiteren Fragen hingeben und hat dabei aus meiner Sicht eine größere Gelassenheit.

Aus meiner Sicht provoziert die EZB im Abwertungsverbund mit anderen namhaften Zentralbanken durch ihr Handeln und auch ihr Unterlassen die fulminante Wiederentdeckung von Gold und Silber als Zahlungsmittel einer vertrauensarmen Zeit.

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