Sicherheitsmerkmale von Münzen und Barren

 

Das Thema Sicherheit steht beim Edelmetallkauf für viele Anleger an erster Stelle. Auf der einen Seite soll der Händler seriös sein und einen sicheren Versand gewährleisten, auf der anderen Seite steht die Echtheit der Münzen und Barren im Vordergrund.

Spätestens seit dem Anstieg der Münz- und Barrennachfrage im Zuge der weltweiten Finanzkrise ist das Thema Fälschungssicherheit in den Fokus der Edelmetallbranche gerückt. Seit mehreren Jahren tauchen immer wieder Fälschungen bekannter Anlagemünzen auf. Noch häufiger kopieren die Fälscherwerkstätten Goldbarren, die dann als vermeintliche Schnäppchen angeboten werden. Oft merken nichts ahnende Anleger den Betrug erst, wenn sie die gefälschten Barren weiterverkaufen wollen.

 

Viele Barrenhersteller und Prägestätten haben das Problem erkannt und verschiedene Sicherheitsmerkmale für ihre Produkte entwickelt. Diese sollen es Fälschern erschweren, die Münzen und Barren täuschend echt zu kopieren. Wem das Thema Sicherheit besonders am Herzen liegt, sollte darüber hinaus nur bei seriösen Fachhändlern oder Banken kaufen. Viele Edelmetallhändler nehmen sich gern die Zeit und beraten ihre Kunden ausführlich zu den Themen Fälschungssicherheit und Echtheitsprüfung.

 

Sicherheitsmerkmale von Münzen

 

Goldmünzen haben den Ruf, fälschungssicherer zu sein als Goldbarren. Durch die vergleichsweise aufwendigen und detailreichen Prägungen können gefälschte Münzen mit etwas Übung leicht von den originalen unterschieden werden. Außerdem lassen sich viele Fälschungen bereits mit einfachen Hilfsmitteln wie einer Feinwaage oder einem Messschieber enttarnen.

Für die gängigsten Anlagemünzen aus Gold, wie den Krügerrand oder den Maple Leaf, gibt es darüber hinaus spezielle Prüfschablonen. Dieses Instrument vergleicht das Gewicht, den Durchmesser, die Dicke und die Form der zu prüfenden Münze mit den Originalmaßen.

 

In der letzten Zeit haben einige Prägeanstalten ihre Münzen mit verschiedenen Sicherheitsmerkmalen ausgestattet. Eine Vorreiterrolle nimmt hier die Royal Canadian Mint mit ihrer Anlagemünze Maple Leaf ein. Auch die Perth Mint hat ihre Silberanlagemünze Australian Kangaroo mit einem neuen Sicherheitsmerkmal versehen.

 

Blister

Kangaroo Silbermünze im Blister

Streng genommen dienen Blisterverpackungen nicht primär dem Schutz vor Fälschungen. Sie schützen die Münze vor Umwelteinflüssen, Verunreinigungen und Kratzern. Mittlerweile geben viele Prägeanstalten Gold- und Silbermünzen in Blistern heraus. Dieser ist in der Regel hochwertig gestaltet und enthält Informationen über das darin enthaltene Stück. Speziell bei limitierten Auflagen ist auf dem Blister oft auch eine Seriennummer zu sehen.

Bekannte Beispiele für Münzen in Blisterverpackungen sind der neuseeländische Kiwi, die Kangaroo-Silbermünzen der Royal Australian Mint und die Call-of-the-Wild-Goldmünzen der Royal Canadian Mint.

 

Natürlich bietet der Blister keinen hinreichenden Schutz vor Fälschungen. Vor allem im Bereich der Goldbarren sind Imitate bekannt, bei denen auch die Blisterverpackung kopiert wurde. Dennoch sind sie für Fälscher ein gewisses Hindernis, da neben der Münze auch die Verpackung täuschend echt wirken muss.

 

Australian Kangaroo Silber (Perth Mint)

Im September 2015 erschien das Australian Kangaroo der Perth Mint erstmals als Silberanlagemünze zu 1 Unze. Die westaustralische Prägestätte spendierte dem silbernen Kangaroo ein neues Sicherheitsmerkmal.

Auf der Rückseite der Münze (Bildseite mit dem Red Kangaroo) befindet sich eine Laser-Mikrogravur in Form des Buchstabens „A“.  Diese ist in den Anfangsbuchstaben (ebenfalls „A“) der Umschrift „Australian Kangaroo“ eingearbeitet. Die Mikrogravur ist nur unter einem Vergrößerungsglas erkennbar und soll das Fälschen der Münze deutlich erschweren.

 

Das Australian Kangaroo ist die erste Anlagemünze der Perth Mint mit einem solchen Sicherheitsmerkmal.

 

 Maple Leaf

Laser-Mikrogravur auf dem Maple Leaf Gold

Im Bereich der Anlagemünzen hat der Maple Leaf aus Kanada die wohl umfassendsten Sicherheitsstandards. Die Royal Canadian Mint ergänzte die goldene und silberne Version der Anlagemünze in den vergangenen Jahren um zwei neue Sicherheitsmerkmale.

2013 erhielt der Maple Leaf Gold eine Laser-Mikrogravur in Form eines strukturierten Ahornblattes auf der Bildseite. In dieser Gravur ist ein weiteres, noch kleineres Ahornblatt zu sehen. Darin befindet sich eine Zahl, die aus den letzten beiden Ziffern des jeweiligen Prägejahres besteht. Diese Jahreszahl ist nur mithilfe einer Lupe erkennbar.

2015 kam ein weiteres Sicherheitsmerkmal hinzu. Die sonst glatte Oberfläche der Goldmünze wurde durch ein Muster feiner Linien ersetzt, das strahlenförmig von der Mitte bis zum Rand verläuft. Die Linienstruktur ist dabei so angelegt, dass ein lichtbrechendes Muster entsteht.

 

Während die Maple-Leaf-Goldmünze diese Sicherheitsmerkmale 2013 und 2015 erhielt, prägt die Royal Canadian Mint den Maple Leaf in Silber seit 2014 mit Mikrogravur und strahlenförmigen Linien.

 

Maple Leaf Goldmünze 1 Gramm

 

Maplegram™

Auch die 1-Gramm-Version des Maple Leaf wurde mit mehreren Sicherheitsmerkmalen ausgestattet. Das sogenannte Maplegram™ ist ein Verbund aus acht bzw. 25 Goldmünzen. Jede Münze ist in einem einzeln abtrennbaren Blister verschweißt, auf dessen Rückseite eine Seriennummer vermerkt ist.

Der zweite Jahrgang des Maplegram™, der Ende 2015 erschien, erhielt darüber hinaus ebenfalls strahlenförmige Linien. Das Muster auf der Vorder- und Rückseite der 1-Gramm-Goldmünze ist mit dem der größeren Ausgaben vergleichbar.

 

Sicherheitsmerkmale von Barren

 

Goldbarren werden wesentlich häufiger gefälscht als Münzen. In der Regel handelt es sich bei den Fälschungen um geprägte Barren mit einem Feingewicht zwischen 1 Gramm und 1 Unze. Die Barrenfälschungen bestehen aus einem unedlen Material wie Messing; in letzter Zeit setzen Fälscherwerkstätten immer öfter auf Wolfram. Der Grund: Wolfram hat eine ähnliche Dichte wie Gold. Die Imitate werden mit einer dünnen Goldschicht überzogen, die für eine authentische Farbe sorgt und oberflächliche Tests praktisch wirkungslos macht.

Um ihre Produkte fälschungssicherer zu machen, setzen viele Hersteller mittlerweile auf eigene Sicherheitsmerkmale. Die Auswahl reicht von einfachen Vorkehrungen wie Seriennummern und Echtheitszertifikaten bis hin zu einer Kombination verschiedener Merkmale.

 

Seriennummern und Blisterverpackungen

Für geprägte Goldbarren hat sich der Blister zur Standardverpackung entwickelt. Barren zwischen 1 Gramm und 100 Gramm sind in Blistern aus durchsichtigem Kunststoff eingeschweißt. Dieser schützt die empfindlichen Anlageprodukte vor Umwelteinflüssen, Fingerabdrücken, Kratzern und Beschädigungen.

Zudem ist der Blister auch eine gewisse Hürde für Fälscher. Diese müssen das Design der Verpackung täuschend echt kopieren, wollen Sie ihre gefälschten Goldbarren erfolgreich verkaufen. Viele Blister tragen auf der Vorderseite eine individuelle Seriennummer. Auf der Rückseite befindet sich in der Regel ein Zertifikat mit Angaben zu Feingewicht und Feinheit des Barrens sowie dem Melter/Assayer-Stempel des jeweiligen Herstellers (bei sogenannten LBMA-zertifizierten Barrenherstellern).

Die meisten Hersteller drucken die Seriennummer der Prägebarren auf die Vorder- oder Rückseite des Blisters. Die südafrikanische Rand Refinery sowie der deutsche Hersteller C.HAFNER prägen die Seriennummer dagegen direkt auf den Barren.

 

Zusammen mit dem Zertifikat und der Seriennummer bietet der Blister zwar einen gewissen aber keinen hinreichenden Schutz vor Fälschungen. Immer wieder bekommen Edelmetallhändler Imitate zum Kauf angeboten, die in nachgemachten Blistern verpackt sind. Die Besitzer glauben in der Regel, dass es sich um echte Goldbarren handelt.

Kinebarren von Heraeus 1 Unze

 

Einem direkten Vergleich mit dem Originalprodukt halten die gefälschten Goldbarren meistens nicht stand. Optische Merkmale wie eine unterschiedliche Schriftart oder ein überstehender Rand entlarven den vermeintlich echten Blister als Fälschung.

 

Kinebar Goldbarren

Kinebar-Goldbarren, sogenannte Kinebarren, unterscheiden sich durch ein zusätzliches Sicherheitsmerkmal von gewöhnlichen Prägebarren. Auf der Rückseite dieser Barren befindet sich ein sogenanntes Kinegram. Dieses optische Sicherheitsmerkmal hat einen zweidimensionalen Bewegungsablauf. Je nach Betrachtungswinkel und Lichteinfall leuchtet das Kinegram in den Farben des Regenbogens. Die Kinegram-Technologie wird auch als Authentifizierungsmerkmal auf Ausweis- und Visadokumenten sowie auf Banknoten verwendet.

Erhältlich sind die Kinebarren in Stückelungen zwischen 1 Gramm und 1 Unze. Wie normale Prägebarren sind sie in Blistern eingeschweißt und verfügen über eine individuelle Seriennummer sowie ein Zertifikat auf der Rückseite der Verpackung.

 

Leider bieten auch die Kinebar-Goldbarren keinen hundertprozentigen Schutz vor Fälschungen. Seit mehreren Jahren tauchen immer wieder gefälschte Kinebarren auf, die auf den ersten Blick täuschend echt wirken. Beim näheren Vergleich mit dem Original fallen jedoch einige Unterschiede auf, sowohl im Hinblick auf den Barren als auch auf die Verpackung.

 

Edelmetall-Protect

Für das Frühjahr 2016 kündigte die MünzManufaktur aus Heimsheim „Edelmetall-Protect“ an, ein neues Authentifizierungssystem für geprägte Goldbarren. Edelmetall-Protect basiert auf einer Kombination verschiedener Sicherheitsmerkmale. Diese kann der Anleger über eine Online-Plattform prüfen. Die Merkmale werden einzeln abgefragt; der Barrenbesitzer kann den nächsten Test erst durchführen, wenn das Ergebnis des vorherigen positiv ist. 

Goldbarren mit Edelmetall-Protect-Authentifizierungssystem

Die Online-Plattform fragt zuerst die Seriennummer des Barrens ab. Diese ist sechsstellig und hat einen Farbverlauf von Rot nach Blau. Danach werden dem Nutzer drei verschiedene Bilder angezeigt, die als Kippbilder auf dem Goldbarren zu sehen sein sollten. Im dritten Test fragt das System den Status des Gütesiegels ab. Dieses befindet sich auf der Rückseite der Blisterverpackung.

 

Nach Abschluss des Tests kann das Abfrageergebnis als PDF-Dokument heruntergeladen werden. Der Hersteller betont, dass der Handelsweg des Barrens aus Datenschutzgründen nicht nachvollziehbar ist.

 

Security Line

Auch der Fachhändler Geiger Edelmetalle hat einen eigenen Ansatz entwickelt, um Gold- und Silberbarren zu authentifizieren. Die Barren der Security-Line verbinden mehrere Sicherheitsmerkmale miteinander.

Silberbarren der Security Line

Der Rand der Barren ist fein geriffelt, ähnlich wie bei Münzen. Außerdem weisen die Security-Line-Barren eine schimmernde Oberfläche auf. Für die Rückseite hat Geiger eine 3-D-Oberfläche entwickelt, die nachträgliche Veränderungen sichtbar macht. Darüber hinaus erhalten alle Barren vom Hersteller eine Seriennummer. Seit 2013 verwendet Geiger eine UV-reflektierende Beschichtung. Diese wird unter UV-Licht sichtbar und soll zusätzlichen Schutz bieten.

Die Goldbarren der Security-Line gibt es in Stückelungen zu 1 Kilogramm, 500 Gramm, 250 Gramm und 100 Gramm. Die Silberbarren sind in Stückelungen zwischen 100 Gramm und 5 Kilogramm erhältlich.

 

Metalor DataMatrix Code

Goldbarren von Metalor mit DataMatrix Code

Ein anderes Sicherheitsmerkmal für Goldbarren stammt aus dem Hause des Schweizer Herstellers Metalor. Dieser prägt seit 2011 Goldbarren in Stückelungen zu 20 Gramm, 1 Unze, 50 Gramm und 100 Gramm. Für diese neue Produktlinie entwickelte Metalor den sogenannten DataMatrix Code.

Der DataMatrix Code befindet sich auf der Vorderseite des Goldbarrens, links unten neben dem Melter/Assayer-Stempel. Er ähnelt optisch einem QR-Code und enthält Informationen zur Herstellung und Herkunft des Barrens. Die Daten können online abgefragt werden.

 

Der DataMatrix Code von Metalor ist ein innovativer Ansatz, um geprägte Goldbarren fälschungssicherer zu machen. Allerdings ist der Schweizer Hersteller in Deutschland noch relativ unbekannt. Nur wenige Fachhändler führen die Goldbarren von Metalor im Sortiment.