Venezuela verzeichnet 800 Prozent Inflation

Darstellung eines 100-Bolivar-ScheinsDas vom Ölpreisverfall gebeutelte Venezuela hat im vergangenen Jahr eine astronomische Inflationsrate verzeichnet. Wie mehrere Medien übereinstimmend berichten, stiegen die Verbraucherpreise in dem südamerikanischen Land 2016 um rund 800 Prozent. Gleichzeitig schrumpfte die Wirtschaftsleistung des Landes um 18,6 Prozent – so stark wie seit 13 Jahren nicht mehr.

Venezuela ist von den Einnahmen aus dem Ölgeschäft abhängig. Fast alle Deviseneinnahmen stammen aus dem Verkauf von Rohöl. Der Verfall der Ölpreise hat das Land in eine schwere Wirtschaftskrise gestürzt. Lebensmittel und andere Produkte des täglichen Lebens sind seit Monaten knapp, was immer wieder Proteste und sogar Plünderungen auslöste.

 

Venezolanische Währung nur noch wenige US-Cent wert

Die rasante Inflation in Venezuela hat dazu geführt, dass die bislang größte Banknote – der 100-Bolivar-Schein – nur noch umgerechnet 15 US-Cent wert ist. Auf dem Schwarzmarkt erhalten die Venezolaner sogar noch weniger. Für den täglichen Einkauf benötigen die Menschen große Mengen an Geldscheinen.

Der 100-Bolivar-Schein ist schon bald Geschichte. Venezuelas Präsident Nicolás Maduro hatte Ende vergangenen Jahres angekündigt, die Banknote Anfang 2017 aus dem Verkehr zu ziehen und stattdessen neue, größere Scheine einzuführen. Neben einer 50-Bolivar-Münze (offizieller Umtauschkurs 7,5 US-Cent) sollen die Menschen in Venezuela künftig mit 500-, 5.000- sowie 20.000-Bolivar-Scheinen bezahlen können. Offiziell begründete der Präsident die Abschaffung des 100-Bolivar-Scheins mit dem Kampf gegen die Mafia. Internationale Banden hätten Milliarden in Form von 100-Bolivar-Scheinen ins Ausland verschoben.

 

Maduro tauscht Zentralbankchef aus

Um das Chaos perfekt zu machen, tauschte Präsident Maduro nun den Chef der venezolanischen Zentralbank aus. In seiner wöchentlichen Rundfunkansprache gab Maduro bekannt, den bisherigen Amtsinhaber Nelson Merentes gegen den Ökonomen Ricardo Sanguino zu ersetzen. Sanguino gilt als Unterstützer von Maduros Politik.

Er wolle eine neue Phase in der Entwicklung der Zentralbank von Venezuela beginnen, begründete Maduro seine Entscheidung. Sanguino leitete seit dem Jahr 2000 die Budgetkommission der Nationalversammlung. Sanguino und Maduro sind davon überzeugt, dass die wirtschaftliche und politische Krise Venezuelas das Resultat eines Wirtschaftskrieges ist, geführt von rechtsgerichteten Geschäftsleuten.

Unabhängig davon muss sich der neue Zentralbankchef der horrenden Inflation widmen. Der Internationale Währungsfonds erwartet in diesem Jahr eine Inflationsrate von 1.660 Prozent.

 

Bild: © Cancillería del Ecuador