Notenbanken kaufen weiter Gold

Marktkommentar von Markus Blaschzok, Chef-Analyst von goldsilbershop.de

Der chinesische Yuan wurde diese Woche seitens der chinesischen Zentralbank mehrmals abgewertet und so auf ein Vierjahrestief zum US-Dollar (USD) gedrückt. Begründet wurde der Schritt mit der relativen Stärke zu anderen Währungen und in der Tat wertete der Yuan im Vergleich zum Euro oder USD in den letzten zehn Jahren um über 20 % auf. Die hiesige Zentralbank gab damit nur dem Marktdruck nach einem schwächeren Yuan nach, da man chinesische Banken aufrief, US-Dollar zu verkaufen, um die heimische Währung zu stabilisieren.

Der Euro hat allein im letzten Jahr um über 20 % zum US-Dollar verloren, weshalb die aktuell relativ kleine Abwertung des Preisbandes für den Yuan von 3,2 % medial viel heißer gekocht wurde, als sie letztlich ist. Auch der Einbruch des chinesischen Aktienmarktes seit Mitte Juni um bisher 20 % scheint groß zu sein – setzt man diesen Rückgang jedoch ins Verhältnis zu dem vorherigen Anstieg des Shanghai Composite von 150 % binnen zwei Jahren, so handelt es sich bisher nur um eine dringend notwendige technische Korrektur der vorherigen Aufwärtsbewegung. Eine weitere vom Markt geforderte Abwertung des Yuan ist möglich, doch wird dies dann dem chinesischen Aktienmarkt unter die Arme helfen.

 

Vielfach wurde behauptet, der kürzliche Anstieg im Goldpreises in dieser Woche hinge mit der Abwertung des Yuan zusammen, doch waren alle Edelmetalle, die nach unseren mittelfristigen Indikatoren längst im extrem überverkauften Bereich waren, überfällig für eine Erholung. Silber gab bereits vor einer Woche ein Kaufsignal mit dem Bruch des kurzfristigen Abwärtstrends und die anderen Edelmetalle gaben zum Wochenanfang - noch vor der Abwertung des Yuan - ebenfalls erste kurzfristige Kaufsignale, weshalb die chinesische Abwertung dem Anstieg der Edelmetalle vielleicht half, doch keinesfalls ein Auslöser oder gar der Grund für den Anstieg der Edelmetallpreise war. Vielmehr sehen wir seit Wochen die CoT-Daten erstmals gleichzeitig für alle vier Edelmetalle im Kaufbereich und ein extrem negatives Sentiment, das mindestens nach einer Preiserholung und gar nach einem deutlichen Short-Squeeze schreit.   

 

Goldnachfrage dürfte im zweiten Halbjahr wieder deutlich zulegen

Nach den neuen Berechnungen des World Gold Council (WGC) sank die globale Goldnachfrage im zweiten Quartal zum Vorjahr um 12 % auf 914,9 Tonnen (t). Grund dafür war das sehr negative Sentiment im zweiten Quartal, da sich der Preis richtungslos in einer engen Handelsspanne von nur 70 USD bewegte und viele Investoren und Konsumenten sich mit Käufen zurückhielten, in der Hoffnung auf bessere Kaufmöglichkeit zu günstigeren Preisen.

Besonders in China fiel die Schmucknachfrage um 3 % auf 216 t, in Indien um 25 % auf 154 t und im mittleren Osten um 24 % auf 63,5 t. In China und Indien soll es sich um kurzfristige Effekte handeln und die Nachfrage im zweiten Halbjahr wieder zunehmen, sodass China und Indien im Gesamtjahr 900 t bis 1.000 t Gold akkumulieren werden. In Europa nahmen die Käufe im Zuge der Sorgen um einen Grexit hingegen um 14 % auf 61 t zu, was immer noch deutlich unterhalb des 5-Jahresdurchschnitts von 88 t liegt.

 

Die weltweite Nachfrage nach Münzen und Barren sank um 15 % auf 201,4 t und die weltweite Investmentnachfrage um 11 %, da man in der Griechenlandkrise kein systemisches Risiko mehr sah. Die weltweiten offiziellen Goldreserven stiegen weiter um 137,4 t, was zeigt, dass Gold seinen Status als Reservewährung weiterhin behält und die CIS-Länder (Commonwealth of Independent States) und andere noch freie Nationen ihre Devisenreserven weiterhin weg vom US-Dollar mit Gold diversifizieren.

Insgesamt wurde zwar weniger zugekauft als im Vorjahr, doch ist es das 18. Quartal in Folge, bei dem Notenbanken Nettokäufer sind. Der größte Käufer war dabei wieder Russland mit 36,8 t alleine im zweiten Quartal. Die um 604 t auf 1.658 t gestiegenen Goldreserven der chinesischen Zentralbank (PBoC) sind in diesen Zahlen noch nicht enthalten, da dies erst Mitte Juli bekannt gegeben wurde. Da die chinesischen Reserven erst zwei Prozent der gesamten Devisenreserven ausmachen, ist hier noch jede Menge Raum für weitere Zukäufe Chinas gegeben.

 

Das Goldangebot sank im zweiten Quartal ebenfalls um 5 % zum Vorjahr auf 2.107 t, wobei sich die Minenproduktion um 3 % auf 786,6 t erhöhte. Grund für den Rückgang war ein Rückgang beim Recycling auf ein 8-Jahrestief, was entsprechend dem negativen Sentiment in dieser Zeit zu erwarten zu erwarten war.

Für das zweite Halbjahr erwartet man eine wieder deutlich stärkere Nachfrage nach Gold. Die Hochzeitssaison und das Lichtfest Diwali in Indien dürften die physischen Käufe stützen. Auch das Ende der zuletzt sehr geringen Volatilität und eine erneute Zunahme dieser dürfte Investoren und Konsumenten wieder zu mehr Nachfrage animieren

 

Globale Goldnachfrage in Tonnen



Technische Analyse zu Gold

ie wöchentlich erscheinenden Terminmarktdaten für Gold hatten sich in den vergangenen Wochen völlig bereinigt und unsere Trendwendeindikatoren schalteten auf Grün. Das Sentiment war im letzten Report von vergangener Woche bereits so extrem negativ, dass das Managed Money, was die trendfolgenden Fonds darstellt, sowie die Kleinspekulanten deutlich Netto-Short positioniert waren, was das extrem negative Sentiment beweist, da diese sonst grundsätzlich immer eine Netto-Long-Position am Markt halten.

 

Positionierung der spekulativen Anleger (Commitment of Traders)

Die Terminmarktdaten für Gold haben sich in den letzten zwei Monaten völlig bereinigt und davor gewarnt zuletzt noch einmal auf fallende Preise zu setzen.



Gold in US-Dollar im 6-Stundenchart

Im 6-Stundenchart ist deutlich die merkwürdige Chartformation zu erkennen, die viele Trendfolger wahrscheinlich in die Irre geleitet haben dürfte. Wir sehen auf diesem Chart, wie Gold in einem Sell-Off unter die Unterstützung von 1.145 USD gedrückt wurde. Dies war nicht nur sehr merkwürdig weil dieser Einbruch während der Nacht im dünnen Handel passierte, sondern auch da Silber diese Bewegung überhaupt nicht nachvollzog.

 

Die CoT-Daten waren zu diesem Zeitpunkt bereits sehr bullisch und nach dem Einbruch auf Anschlag, sodass man sich fragte, woher das Potenzial für einen weiteren Rückgang kommen sollte. Es bildete sich daraufhin eine Art "Wimpelformation" aus, die viele fälschlicherweise als Trendfolgeformation identifiziert haben dürften, die weiteres Potenzial von 40 $ bis 50 $ nach unten freigegeben hätte, nach klassischer Chartlehre.

Die CoT-Daten sprachen jedoch gegen diese Art von Formation, weshalb wir daran zweifelten und stattdessen mit einer Wahrscheinlichkeit von 60 % auf einen bullischen Ausbruch tippten, was nun auch geschah. Mit dem positiven Ausbruch aus der vermeintlichen "Wimpelformation", die sich nun möglicherweise als Bodenbildungsformation herausstellt, gab es bereits das erste Kaufsignal und mit dem Trendbruch des Abwärtstrends zum Wochenanfang das zweite kurzfristige Kaufsignal.

 

Gold sollte nun den Widerstand bei ca. 1.140 $ anlaufen. Wir warten gespannt auf die heute Nacht erscheinenden CoT-Daten, denn diese könnten uns einen Hinweis darauf geben, ob der nächste Widerstand geknackt werden kann, was im Augenblick gut möglich scheint. Geschieht dies, dann handelte es sich bei dem nächtlichen Sell-Off im Gold wirklich nur um eine Abfischaktion seitens großer Spieler, die die Kleinspekulanten exakt zum Tief auf die falsche Seite bringen wollten.

 

Gold hat letzte Woche und diese Woche zwei kleine Kaufsignale gegeben, was mit gelben Kreisen gekennzeichnet ist im Chart



Gold im Langfristchart

Im Tageschart ist dieses Muster deutlich noch einmal zu sehen. Dass der Preis jetzt noch einmal nach unten dreht, wäre massenpsychologisch sehr unwahrscheinlich. Wenn, hätte es einen bärischen Ausbruch nach unten aus der vermeintlichen "Wimpel-Formation" bereits geben müssen in einem allerletzten Sell-Off, da für die Bären das perfekte Muster eigentlich bereitet war. Doch dies geschah eben nicht und die Short-Blase bei den Bären könnte sich jetzt mit einem Short-Squeeze auflösen. Noch scheint es viele Bären zu geben, die auf einen Pull Back an die 1.140 $ setzen, doch wenn diese Marke fällt, werden diese Jungs rasiert.

 

Unsere Käufe wurden vorgenommen und unsere Stopps platziert und jetzt warten wir auf Marken zum Nachkaufen, wobei wir doch optimistisch sind – passieren kann unserem Depot mit den abgesicherten Positionen jedenfalls nichts mehr. Interessant zu erwähnen bleibt, dass Gold in Euro die 1.000-Euro-Marke und den mittelfristigen Aufwärtstrend verteidigt hat und auch hier Spekulanten nun ein Interesse haben könnten auf die Longseite zu wechseln. Seitens der Technischen Analyse gibt es jetzt keinen Grund mehr auf fallende Preise zu setzen auf Sicht von mindestens 1-2 Monaten, da das Chance/Risiko-Verhältnis dafür unglaublich schlecht wäre im Moment.



Monatskäufer von physischen Edelmetallen finden aktuell also einen idealen Zeitpunkt um nach zwei bis drei Monaten endlich wieder einen kleinen Kauf physischer Edelmetalle vorzunehmen und sich so auf die kommende Abwertung des Euros vorzubereiten.