Die Auswirkungen des Brexit auf den Goldpreis

Der Goldpreis ist nicht nur abhängig von finanzwirtschaftlichen Entscheidungen, sondern vor allem auch von der geopolitschen Lage. Je stärker diese von Krisen geprägt ist, umso stärker investieren Anleger in das krisenresistente Edelmetall Gold. Das Resultat: Nachfrage und Goldpreis steigen. Am Beispiel des Brexit lässt sich exemplarisch verdeutlichen, welchen Einfluss politische Entscheidungen auf den Goldpreis haben können.

Das Referendum zum Brexit

Am 23.06.2016 war es soweit: Die Briten stimmten per Volksentscheid darüber ab, ob Großbritannien ein Teil der EU bleiben oder aus dieser Gemeinschaft austreten sollte. Zwar waren die Umfragen vor dem Referendum eher gemischter Natur, allerdings schien ein Austritt aus der EU undenkbar. Umso heftiger fielen die Reaktionen weltweit aus, als bekannt wurde, dass eine Mehrheit von 51,89 Prozent für den Austritt aus der EU gestimmt hat.

Entsprechend drastisch fiel in der Folge die Entwicklung des Goldpreises aus. Innerhalb von zwei Wochen stieg der Goldpreis von etwa 1.255 auf rund 1.370 US-Dollar. Nach dieser Explosion folgte eine Zeit mit einigen Kursschwankungen. Der letzte Höhepunkt des Goldpreises war am 22. September 2014 mit 1.343,20 US-Dollar erreicht. Bis zum Ende des Jahres 2016 sank der Kurs schließlich auf 1.151,85 US-Dollar. Zwar lässt sich insgesamt festhalten, dass das Referendum nur zu einer vorübergehenden Explosion bei den Goldpreisen geführt hat. Mit einem Hoch von rund drei Monaten Dauer – wenn auch mit Schwankungen – werden die Dimensionen deutlich, in denen ein solches Ereignis den Goldpreis beeinflussen kann.

Was passiert mit dem Goldpreis, wenn der Brexit tatsächlich kommt?

Wie sich letztlich der Goldpreis entwickelt, wenn der Brexit tatsächlich vollzogen wird, ist aktuell noch etwas spekulativ. Vermutlich wird dieser noch mindestens bis zum März 2019 auf sich warten lassen, ehe er abgeschlossen ist. Allerdings lässt sich schon grob abschätzen, welche wirtschaftlichen und politischen Konsequenzen der Brexit haben könnte. Diese werden – je nach Krisenpotenzial – den Goldpreis auf ihre Weise beeinflussen.

Wirtschaftlich ist der Brexit ein zweischneidiges Schwert für Großbritannien. Zwar werden jährlich 11,5 Milliarden Euro an EU-Beiträgen gespart. Auf der anderen Seite sprechen unabhängige Experten von 40 Milliarden Pfund, die bis 2020 als Defizit im Haushalt aufgefangen werden müssen. Den Status als europäische Finanzhauptstadt und Finanzumschlagplatz könnte Großbritannien im Rahmen des Brexit verlieren. Das könnte bis zu 35.000 Arbeitsplätze und 5 Milliarden Pfund jährliche Steuereinnahmen kosten. Andere Schätzungen inklusive indirekter Auswirkungen gehen sogar von Werten aus, die doppelt so hoch liegen. Die Konsequenzen für Unternehmen lassen sich noch nicht präzise vorhersagen. Abhängig sind diese vor allem davon, ob Großbritannien es schafft, auch ohne die EU eine gute, eigenständige Handelspolitik mit internationalen Partnern auszuarbeiten.

Die EU treffen in erster Linie finanzielle Folgen des Austritts der Briten. Zum Erhalt des Finanzhaushalts der EU muss die Zahllast der Briten auf die anderen EU-Mitglieder umverteilt werden. Auch im Hinblick auf die Sicherheitspolitik fällt künftig das zweitstärkste Mitglied weg. Besonders interessant wird die Frage, ob es sich bei den Briten um das einzige Mitglied handelt, das auf Sicht die EU verlässt. Problematisch würde die Situation werden, wenn die EU nun langfristig bröckelt. Für den Fall, dass sämtliche Zoll-, Handels- und Reisefreiheiten der EU verloren gingen, würde das eine völlige Neuorientierung Europas auf wirtschaftlicher und weltpolitischer Ebene zur Folge haben.

Insgesamt birgt der Brexit also eher Zündstoff als politische und wirtschaftliche Chancen. Die Briten werden vermutlich selbst durch den Austritt aus der EU die größten Probleme davontragen, allerdings ist die EU ebenfalls in starkem Maße davon betroffen. Daher besteht für Investoren die große Gelegenheit, dass die Unsicherheit zu einer höheren Nachfrage und damit einem erhöhten Goldpreis führen wird. Wie lange ein solcher Aufschwung dauern könnte, ist selbstverständlich ungewiss. Allerdings sollte dabei bedacht werden, dass allein das Referendum über den Brexit zu einer dreimonatigen Hochphase geführt hat.

Die Konsequenzen werden gewiss auch davon abhängig sein, wie gut die möglichen Probleme nach einem Brexit kompensiert werden können und wie stark die tatsächlichen Auswirkungen in der breiten Bevölkerung spürbar werden. Je stärker die Konsequenzen, umso stärker die Unsicherheit.

Weitere Ereignisse, die den Goldpreis beeinflussen können

Beim Brexit handelt es sich nur um ein Beispiel dafür, welche möglichen Auswirkungen politische Ereignisse auf den Goldpreis haben können. Bevor er frühestens im Jahr 2019 umgesetzt werden kann, warten noch einige andere richtungsweisende politische Ereignisse, die Einfluss auf den Goldwert nehmen können.

Ein Beispiel wird die Politik von US-Präsident Donald Trump sein. Einerseits sorgt er mit Eskapaden, schwer nachvollziehbaren Maßnahmen und unberechenbarem Verhalten dafür, dass die US-amerikanische Politik derzeit nicht sonderlich stabil wirkt. Zusätzlich möchte er über einen niedrig gehaltenen Zinssatz und einen schwachen Dollar die Wirtschaft ankurbeln. Da hohe Goldpreise mit niedrigen Zinsen und einem schwachen Dollar fast Hand in Hand einhergehen, kann der Goldpreis möglicherweise auf diesem Wege positiv beeinflusst werden.

Weiteres Krisenpotenzial bergen diverse Wahlen innerhalb Europas. Gemeint sind vor allem die anstehenden Wahlen in Deutschland, Frankreich und den Niederlanden. Das rechtspopulistische Potenzial in der politischen Landschaft dieser Länder hat sich in den letzten Jahren drastisch erhöht. Je stärker dieses Potenzial bei den Wahlen zum Tragen kommt, umso mehr innereuropäisches Krisenpotenzial wird es zur Folge haben – was politisch nicht sehr angenehm, aber zumindest dem Goldpreis zuträglich wäre. Entsprechend werden einige wichtige politische Entwicklungen den Goldpreis künftig beeinflussen. Der Brexit gehört definitiv dazu.