Bargeldreform in Indien: Große Banknoten wertlos

1000-Rupien-BanknoteDie indische Regierung hat in dieser Woche über Nacht eine radikale Bargeldreform angekündigt. In einer Fernsehansprache teilte Premierminister Narendra Modi überraschend mit, dass alle 500- und 1.000-Rupien-Scheine von Mitternacht an nicht mehr gültig seien. Diese Banknoten würden nicht mehr für Einkäufe akzeptiert, so Modi.

Gleichzeitig kündigte der Premierminister für Mittwoch einen Bankenfeiertag an, also die Schließung aller Bankfilialen im Land. Zum Ende dieser Woche sollen die indischen Kreditinstitute dann neue 500- sowie 2.000-Rupien-Scheine in Umlauf bringen. Diese erhalten zusätzliche Sicherheitsmerkmale. Die Banknoten zu 2.000 Rupien ersetzen dabei die alten Tausender. Bis Ende Dezember können die Inder die alten Scheine bei Banken umtauschen – gegen Vorlage eines Ausweises.

 

Bargeldreform ist Antikorruptionsmaßnahme

Modi machte in seiner Ansprache deutlich, gegen wen sich diese Maßnahme richtet: gegen alle, die Schwarzgeld horten. Die 500- und 1.000-Rupien-Scheine, die anti-nationale und asoziale Elemente daheim bunkerten, würden nur noch wertlose Stücke Papier sein. Das Ausmaß, mit dem sich Korruption und Schwarzgeld hier ausgebreitet hätten, sei riesig, so Modi.

In internationalen Korruptions-Rankings belegt das Land regelmäßig einen der unteren Ränge. Experten schätzen, dass sich noch immer mehrere hundert Milliarden Euro an Schwarzgeld in Umlauf befinden – trotz aller bisherigen Antikorruptionsmaßnahmen der indischen Regierung. Außerdem gehen offizielle Stellen davon aus, dass nicht einmal drei Prozent aller Inder überhaupt Einkommenssteuer zahlen.

 

Indiens Wirtschaft ist auf Bargeld angewiesen

Gleichzeitig ist Indien aber auch eine Bargeldwirtschaft, in der 500-Rupien-Scheine zu den gängigsten Zahlungsmitteln gehören. 500 Rupien entsprechen aktuell ca. 6,80 Euro, 1.000 Rupien ca. 13,60 Euro. Am Abend nach der Ansprache des Premierministers bildeten sich lange Schlangen an den Bankautomaten. Dort konnten Kunden 100-Rupien- Scheine ziehen, solange der Vorrat reichte.

Die indische Wirtschaft bekam die Folgen der sofortigen Bargeldreform direkt zu spüren. Sie besteht fast zur Hälfte aus kleinen Läden und Händlern, die nur Bargeld akzeptieren. So beklagten sich viele Händler darüber, dass nichts los sei und die Straßen in der Hauptstadt Neu-Dehli waren laut der Tagesschau bei weitem nicht so geschäftig wie sonst. Dennoch lobten einige Händler die radikale Maßnahme der indischen Regierung.

 

Bargeldumtausch wird eingeschränkt

Allerdings wird es nicht beim reinen Austausch der 500- und 1.000-Rupien-Scheine bleiben. Banken dürfen nur 4.000 Rupien, ca. 54 Euro, direkt umtauschen, der Rest muss auf ein indisches Konto eingezahlt werden. Zudem gilt, dass Bankkunden pro Woche zunächst maximal 20.000 Rupien in bar abheben können.

Das Problem: Laut der Weltbank besitzt nur rund die Hälfte aller Inder ein Konto. 2014 schätzte Indiens Notenbank, dass nur sechs Prozent der 600.000 Dörfer und Kleinsiedlungen auf dem Subkontinent über eine Bankfiliale verfügen.  

 

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