Historische Entwicklung des Silberpreises

Gerade der Silberpreis entwickelt regelmäßig eine eigene Dynamik. Er ist teils hohen Schwankungen ausgesetzt, die ihn innerhalb kürzester Zeit deutlich nach oben oder unten ausschlagen lassen. Neben der reinen Wertspekulation liegt das vor allem am individuellen Bedarf an Silber, der stark variieren kann. Doch wo genau hat der Silberpreis seinen historischen Ursprung und wie hat er sich bis heute entwickelt? Diese Fragen beantwortet der folgende Artikel.

Silber als Edelmetall für die Währungsproduktion

Ursprünglich wurde Silber verwendet, um es als Währung nutzbar zu machen. Die ersten Silberfunde datieren aus dem Jahr 4.000 v. Chr. Schon in den frühesten Tagen der ersten entwickelten Gesellschaften wurde Silber als Wertgegenstand betrachtet. Beispielsweise wurde der Wert eines Stück Goldes in Gesetzbüchern des ägyptischen Königs Menes auf zweieinhalb Stücke Silber festgelegt. Entsprechend verwoben ist die Geschichte beider Edelmetalle. Die ersten Münzen waren sogar aus einer Legierung aus Gold und Silber gefertigt. Schnell verbreitete sich Silber als Material für den Geldverkehr in unterschiedlichen Regionen und Reichen.

Viel später, im 18. und 19. Jahrhundert, entstand mit dem Bimetallismus ein weiteres einheitliches Wertsystem. Dabei wurde ein fixes Tauschverhältnis zwischen Gold- und Silbermünzen je nach Region festgelegt. Der Wert und die Nutzung der Edelmetalle variierten jedoch im Laufe der Zeit, je nachdem, über welche Quellen welche Mengen der Edelmetalle bezogen werden konnten. Später setzte sich international der Goldstandard durch. Dadurch verlor Silber lange Zeit an Wert.

Die Wertentwicklung bis 1966

Im 20. Jahrhundert pendelte der Preis lange zwischen 0,50 US-Dollar und in der Weltwirtschaftskrise im Jahr 1932 sogar nur 0,25 US-Dollar je Feinunze Silber. Der Versuch der Stützung des Silberpreises durch US-Präsident Roosevelt führte zu einem starken Ankauf von Silber zwischen den Jahren 1934 und 1941. Mehr als zwei Milliarden Unzen gelangten in diesem Zeitraum zusätzlich in den Besitz der USA. In China wurde so mit der noch gültigen Silberwährung eine Deflation ausgelöst, die zur Aufgabe des Silbers als Zahlungsmittel führte. Durch den damit einhergehenden Verlust der Währungsreserven wurde eine Hyperinflation ausgelöst, die die kommunistische Machtergreifung überhaupt erst ermöglicht hat.

Während und nach dem Zweiten Weltkrieg war die Förderung von Silber stark zurückgegangen, was wiederum durch die stückweise Auflösung der riesigen Silbervorräte der USA kompensiert wurde. Zwischen dem Ende des Zweiten Weltkriegs und dem Jahr 1960 gelangten so mehr als zwei Milliarden Unzen Silber wieder in den Umlauf. Der von Roosevelt zuvor fixierte Preis von 1,29 US-Dollar konnte langfristig nicht mehr gehalten werden. Letztmals ist der Abschlusspreis für Silber im Jahr 1966 bei 1,29 US-Dollar notiert.

1967 bis 1980: die Silberspekulation und der Crash

Bis zum Jahr 1972 pendelten die Jahresabschlusswerte für Silber zwischen niedrigen 1,37 und 2,03 US-Dollar. Die Stagnation vieler Volkswirtschaften bei gleichzeitiger Inflation erhöhte die Unsicherheit auf den Finanzmärkten, was schließlich bis 1975 zu einem Silberpreis von 4,18 US-Dollar führte.

Zu diesem Zeitpunkt hatten sich die Gebrüder Hunt ausführlich mit dem Silbermarkt auseinandergesetzt und beschlossen, inspiriert von Bestsellerautor Jerome F. Smith stark in den Silbermarkt zu investieren. Letzterer war in seinem Werk davon ausgegangen, dass die Gold-Silber-Ratio langfristig bei einem Wert von 5 landen könnte. Zum Vergleich: Im Jahr 1975 lag diese noch bei 33,55. Die Hunts kauften über Terminmärkte riesige Mengen Silber an und ließen sich diese in physischer Form zustellen. Das führte zu einem stark steigenden Silberpreis, der im Jahr 1979 mit 32,20 US-Dollar abschloss.

Zu Beginn des Jahres 1980 – beim Höchststand von 49,45 US-Dollar – war es schließlich die Terminbörse COMEX aus New York, die die Silberblase zum Platzen brachte. Es wurden keine neuen Terminkontrakte für den Silberankauf mehr angenommen, sondern nur noch die Schließung bestehender Kontrakte ermöglicht. Innerhalb von zwei Monaten sank der Silberpreis auf nur noch 11 US-Dollar. Die Gebrüder Hunt hatten letztlich das Problem, dass sie mit sehr viel Fremdkapital agiert hatten, um den extrem umfassenden Silberankauf zu bewerkstelligen. So musste Nelson Bunker Hunt, einst mit 16 Milliarden US-Dollar reichster Mann der Welt, mit seinem Bruder Konkurs anmelden.

Die Entwicklung des Silberpreises bis heute

Seit dem Jahr 1981 pendelte der Abschlusspreis für Silber zwischen etwa 5 und 11 US-Dollar. Bis zum Jahr 2003 erholte er sich nicht wieder, sondern pendelte in den 1990er Jahren auf einem konstant niedrigen Niveau zwischen 3 und 6 US-Dollar. Trotz der für Silber üblichen starken Schwankungen stieg der Preis nur in den seltensten Fällen kurzfristig über die 6-Dollar-Marke.

Vom Jahr 2003 an erlebte der Silberpreis – fast analog zum Goldpreis – seinen nächsten großen Anstieg. Im Jahr 2006 landete er mit abschließend 12,90 US-Dollar erstmals wieder im zweistelligen Bereich. Im Jahr 2010 schaffte er sogar einen Abschlusswert von 30,63 US-Dollar. Nach zwei weiteren recht konstanten Jahren mit zwischenzeitlichen Preissprüngen auf bis zu 48,70 US-Dollar sank er bis zum Jahr 2015 wieder auf einen Abschlusswert von 13,89 US-Dollar. Nach einem turbulenten Jahr 2016 mit dem Referendum zum Brexit und der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten hat sich der Kurs derzeit (Stand 28.02.2017) wieder auf 18,31 US-Dollar hochgearbeitet.

Eine Prognose für die zukünftige Entwicklung des Silberpreises

Erfahrungsgemäß ist Silber neben Gold in Krisenzeiten gut geeignet, um monetäre Werte unabhängig von den Finanzmärkten und unterschiedlichen Währungen erhalten zu können. Allerdings hat Silber innerhalb der letzten Jahrzehnte im Vergleich deutlich an relativem Wert gegenüber Gold eingebüßt. Es gibt jedoch nicht wenige Experten, die es für möglich halten, dass sich dieses Verhältnis langfristig wieder etwas annähern könnte.

Einer der wichtigsten Faktoren für den Silberpreis ist die Verarbeitung in der Industrie, die mehr als die Hälfte des Silberbedarfs nutzt. Da Silber nur ein Nebenprodukt der Förderung ist, ist das Angebot relativ unflexibel – entsprechend ist eine konstant hohe Nachfrage nach Silber wichtig, damit sich sein Preis gut entwickeln kann. Bleibt diese Voraussetzung erfüllt, hat der Silberpreis weiterhin das Potenzial, konstant stark zu bleiben und noch weiter zu steigen.