Schweizer Gold-Initiative am Wochenende im Fokus

Standard-Goldbarren nach LBMA-Standard

Kaum ein Thema hat den Goldmarkt in den vergangenen Wochen so bewegt wie die Gold-Initiative in der Schweiz. Am kommenden Sonntag, den 30. November 2014, stimmen die Bürgerinnen und Bürger des Landes über die Goldreserven der Schweizerischen Nationalbank (SNB) ab. Das Thema ist brisant, denn die Initiative unter dem Motto „Rettet unser Schweizer Gold“ verlangt von der SNB, den Schweizer Franken zumindest teilweise wieder mit Gold zu decken. Der Schweizer Bundesrat, das Parlament und SNB-Präsident Thomas Jordan haben sich im Vorfeld der Volksabstimmung vehement gegen die Gold-Initiative ausgesprochen. Kritiker des ungedeckten Papiergeldsystems sehen dagegen eine Möglichkeit, dem Schweizer Franken wieder ein solides Fundament zu geben. Sie kritisieren insbesondere die massiven Goldverkäufe der SNB im vergangenen Jahrzehnt.

 

Die Einzelheiten zur Schweizer Gold-Initiative im Überblick:

 

Worum geht es konkret?

Die Initiative „Rettet unser Schweizer Gold“ wurde von Abgeordneten der nationalkonservativen Schweizerischen Volkspartei (SVP) ins Leben gerufen. Die Initiatoren fordern ein Verkaufsverbot für die Goldreserven der SNB; die Bestände sollen zudem in Zukunft ausschließlich in der Schweiz gelagert werden. Derzeit befindet sich ein Teil der Reserven in England und Kanada.

Darüber hinaus fordert die Schweizer Initiative, dass die SNB zukünftig mindestens 20 Prozent ihrer „Aktiven“ (Aktiva), d. h. ihrer Währungsreserven, in Gold hält. Dieser Punkt hätte wohl die größten Auswirkungen auf die Geldpolitik der SNB. Aktuell hält diese rund 1.040 Tonnen Gold im Wert von rund 39 Milliarden Schweizer Franken. Gleichzeitig belaufen sich die Devisenreserven der SNB aber auf rund 500 Milliarden Schweizer Franken, sodass zur Erfüllung des 20-Prozent-Ziels massive Zukäufe notwendig wären. Marktbeobachter gehen davon aus, dass die SNB ca. 1.500 Tonnen Gold kaufen müsste.

Bei einem positiven Ausgang der Volksabstimmung müsste die SNB außerdem stets auf die Einhaltung der 20-Prozent-Quote achten. Würde sie z. B. ihre Währungsreserven in Euro aufstocken, müsste die Zentralbank zusätzlich eine entsprechende Menge Gold kaufen. Umgekehrt dürfte sie die Goldbestände nicht verringern, auch wenn sie einen Teil ihrer Reserven an anderer Stelle abstoßen würde.  

 

Wie sah die Geldpolitik der SNB in den vergangenen Jahren aus?

Bis zur Jahrtausendwende hielt die SNB Goldreserven in Höhe von 2.590 Tonnen. Im Jahr 2000 begann die Notenbank damit, „überflüssiges“ Gold zu verkaufen. Grund für diese Maßnahme war die Änderung des Bundesgesetzes über die Währung und Zahlungsmittel. Nach Änderung des gesetzlichen Rahmens war der Goldanteil nach Angaben der Zentralbank aus geldpolitischer Sicht viel zu hoch geworden. Zwischen 2000 und 2005 verkaufte die SNB 1.300 Tonnen Gold, 2007 und 2008 veräußerte sie noch einmal 250 Tonnen aus ihren Beständen.

Trotz der massiven Verkäufe verfügt die Schweiz noch immer über die höchsten Goldreserven pro Einwohner. Würde das Gold der SNB in der Bevölkerung verteilt werden, erhielte jede Schweizerin und jeder Schweizer 133 Gramm.

Seit Ausbruch der Euro-Schuldenkrise sehen vor allem Anleger aus der Eurozone den Schweizer Franken als „Sicheren Hafen“ an. In den vergangenen Jahren war die SNB vor allem darum bemüht, den Franken gegenüber dem Euro nicht zu stark aufwerten zu lassen. Im September 2011 legten die Notenbanker den „Mindestkurs“ zum Euro bei 1,20 Franken fest. Seitdem interveniert die SNB am Devisenmarkt, wenn diese Marke zu fallen droht.

 

Welche Auswirkungen hätte ein „Ja“ auf den Goldmarkt?

Auf den Goldmarkt hätte ein „Ja“ zur Initiative vermutlich positive Auswirkungen, denn die SNB müsste innerhalb eines Zeitraums von fünf Jahren rund 1.500 Tonnen Gold kaufen. Zum Vergleich: Im Jahr 2013 betrug die Produktion der Goldminen insgesamt 2.982 Tonnen, hinzu kam ein Altgoldangebot in Höhe von 1.371 Tonnen (insgesamt 4.353 Tonnen). Dem weltweiten Goldangebot stand 2013 eine Nachfrage in Höhe von 4.736 Tonnen gegenüber.

Über die Auswirkungen auf die physische Nachfrage und die Goldpreisentwicklung in den kommenden Jahren sind sich Experten und Analysten nicht ganz einig. Während einige Marktteilnehmer von nur geringen oder kurzfristigen Auswirkungen auf den Goldpreis ausgehen, halten andere Preissteigerungen von bis zu 15 Prozent für möglich. Fest steht aber, dass ein „Ja“ am 30. November die Markstimmung beträchtlich aufhellen würde.