Venezuela: Gold-Swap mit der Deutschen Bank

Goldbarren in einem Bundesbank-TresorDas vom Staatsbankrott bedrohte Venezuela muss offenbar erneut auf seine Goldreserven zurückgreifen, um weiter zahlungsfähig zu bleiben. Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, verhandelt die venezolanische Zentralbank mit der Deutschen Bank AG über ein sogenanntes Gold-Swapgeschäft. Demnach vereinbarten beide Parteien im Dezember 2015, ein solches Geschäft in diesem Jahr zum Abschluss zu bringen. Zum Volumen konnte Reuters keine Angaben machen.

Bei einem sogenannten Gold-Swapgeschäft verleiht der Goldbesitzer sein Edelmetall für einen festgelegten Zeitraum an eine Bank und erhält dafür im Gegenzug Devisen. Nach dem Ende des Zeitraums tauschen die Geschäftspartner die Vermögenswerte wieder zurück.

 

Venezuela muss Schulden bedienen

Venezuela braucht dringend Devisen. In diesem Jahr muss das Land Schulden in Höhe von 9,5 Milliarden US-Dollar zurückzahlen. Die venezolanischen Devisenreserven betragen 15,4 Milliarden US-Dollar, allerdings liegt der Anteil der Goldreserven bei 64 Prozent. Dies schränkt die Möglichkeiten der Zentralbank ein, schnell liquide Mittel bereitzustellen.

Das nun öffentlich gewordene Geschäft mit der Deutschen Bank ist nicht der erste Gold-Swap Venezuelas. Bereits 2015 liehen sich die Venezolaner eine Milliarde US-Dollar von der Citigroup und hinterlegten dafür 43 Tonnen des gelben Edelmetalls. Zuletzt hielt die Zentralbank Venezuelas nach Angaben des World Gold Council 361 Tonnen Gold.

 

Ölpreisverfall trifft Venezuela hart

Das südamerikanische Land leidet besonders unter den niedrigen Rohölpreisen; 96 Prozent der Exporterlöse und die Hälfte der Staatseinnahmen stammen aus dem Ölhandel. Allein im vergangenen Jahr brachen die Ausfuhrerlöse Venezuelas um 68 Prozent ein, 2016 könnten sie nochmals um ein Drittel zurückgehen.

Die Situation wird für das Land und seine Einwohner immer prekärer. So rechnet der internationale Währungsfonds (IWF) im laufenden Jahr mit einer Inflationsrate von 720 Prozent. 2015 stiegen die Preise in Venezuela um 275 Prozent, der höchste Wert weltweit. Außerdem könnte das Bruttoinlandsprodukt des Landes laut IWF in diesem Jahr um acht Prozent sinken. Im Jahr zuvor schrumpfte die Wirtschaftsleistung um neun Prozent.

 

Bildquelle: © Bundesbank