Silber: Silver Institute erwartet Angebotsdefizit

Standard-Silberbarren, 1000 ozDie weltweite Nachfrage nach Silber hat sich in der ersten Hälfte dieses Jahres positiv entwickelt. Besonders die Schmucknachfrage und der industrielle Silberbedarf nahmen in den vergangenen sechs Monaten zu. Dies gab das Silver Institute in einer Pressemitteilung bekannt.

Für das Jahr 2015 erwartet der Branchenverband ein Angebotsdefizit von 57,7 Millionen Unzen (ca. 1.794 Tonnen), da die Zahl der Lieferverträge zunimmt und die physische Nachfrage wächst. Damit würde das Silberangebot schon das dritte Jahr in Folge nicht ausreichen, um die weltweite Nachfrage zu decken.

 

Gestiegene Schmucknachfrage in den USA

Silberschmuck war in den ersten sechs Monaten dieses Jahres eine Hauptstütze der Silbernachfrage. Allein die Schmuckimporte der USA stiegen um elf Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Da die USA der größte Importeur von Silberschmuck sind, hat der Anstieg der Nachfrage Auswirkungen auf den Silberhandel in ganz Asien. So stiegen die US-Importe aus Thailand bis Ende Mai um 18,5 Prozent, China lieferte im gleichen Zeitraum 14 Prozent mehr.

Der Branchendienst Thomson Reuters GFMS (GFMS) rechnet in diesem Jahr mit einem Anstieg der Silberschmucknachfrage um fünf Prozent.

 

Solarbranche mit steigender Silbernachfrage

Die industrielle Nachfrage nach Silber könnte laut GFMS in diesem Jahr um zwei Prozent steigen. Fast 60 Prozent der weltweiten Silbernachfrage entfällt auf die Industrie. Vor allem der Edelmetallbedarf der Solarbranche steigt seit Jahren stetig. 2015 könnten die Hersteller von Solarmodulen ihre Silbernachfrage um acht Prozent auf 65 Millionen Unzen erhöhen (ca. 2.021 Tonnen).

In den USA stiegen die Installationen von Solaranlagen im ersten Quartal dieses Jahr um 76 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. China und Indien wollen die Solarenergie ebenfalls expansiv ausbauen, sodass die Wachstumsprognosen für diese Branche positiv sind.

 

Silber auch für die Kunststoffproduktion wichtig

Ein weiterer Bereich mit einer steigenden Silbernachfrage ist die Herstellung von Ethylenoxid. Die Nachfrage in diesem Industriezweig wird durch China angetrieben. In diesem Jahr steigt der Silberbedarf der Ethylenoxid-Hersteller voraussichtlich um 61 Prozent auf 8,6 Millionen Unzen (267 Tonnen).

Ethylenoxid ist ein wichtiger Baustein bei der Herstellung von Kunststoffen, Lösungs- und Reinigungsmitteln sowie einem breiten Spektrum organischer Chemikalien.

Einen geringen Anstieg der Nachfrage um 0,4 Prozent erwartet das Silver Institute im Elektronikbereich. Die Branchenexperten prognostizieren, dass der Silberbedarf von Computer- und Tablet-Herstellern um 4,5 Prozent abnimmt. Dieser Rückgang soll aber teilweise durch eine dreiprozentige Zunahme bei den Mobiltelefonen ausgeglichen werden.

 

Investmentnachfrage durchwachsen

Im Investmentbereich war die Nachfrage durch Kleinanleger in der ersten Jahreshälfte robust. Die globalen ETF-Bestände stiegen im laufenden Jahr um 4,7 Millionen Unzen (146 Tonnen). Dies deutet darauf hin, dass die Anleger trotz des niedrigen Silberpreises langfristig gesehen optimistisch sind.

Die globale Nachfrage nach Silbermünzen belief sich in der ersten Jahreshälfte auf 43,6 Millionen Unzen (1.356 Tonnen). Damit fielen die Münzverkäufe im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um sechs Prozent. Dennoch handelt es sich um die fünfthöchsten Verkaufszahlen seit Beginn der Datenerfassung.

 

Gold/Silber-Ratio auf über 70

Unter Berufung auf die Gold/Silber-Ratio schätzt das Silver Institute, dass Silber gegenüber Gold derzeit unterbewertet ist. Demnach hat die durchschnittliche Gold/Silber-Ratio seit dem Jahr 2000 bei 58 gelegen. In der ersten Hälfte dieses Jahres betrug das durchschnittliche Verhältnis zwischen Gold- und Silberpreis 73.

Die Gold/Silber-Ratio steht für das preisliche Verhältnis beider Edelmetalle. Der Wert gibt an, wie viele Feinunzen Silber benötigt werden, um eine Feinunze Gold zu kaufen.